Wasserwandel: Ruhr gestalten!

Wie der Fluss sich selbst reinigt

Foto: Cristian Ştefănescu

Auf dem Wasser treibt ein Haufen gelber und roter Blätter. Jede Menge Laub, das im Herbst von den Bäumen fällt, landet in der Ruhr. Dem Fluss macht das wenig aus – denn er reinigt sich davon selbst.

In unserem Blog berichten wir häufig über Verunreinigungen, die Flüsse und andere natürliche Gewässer belasten – und was man dagegen tun kann. Was dabei manchmal in den Hintergrund gerät, ist, dass die Gewässer selbst ihre besten Reinigungskräfte sind. Denn das Ökosystem besitzt eine natürliche Fähigkeit zur Selbstreinigung. Neben dem Laub im Herbst finden auch viele andere organische Stoffe ihren Weg in die Gewässer. Dazu gehören beispielsweise die Ausscheidungen von Tieren wie die der Vögel am Baldeneysee. Auch Leichen von Insekten und anderen Tieren oder totes Holz schwimmen im Wasser. All diese organischen Materialien werden durch sogenannte Destruenten, das heißt Bakterien, Pilze und andere Kleinstlebewesen, zersetzt. Aus ihnen werden dadurch beispielsweise mineralische Salze.

Um die Verschmutzungen abzubauen, benötigen die Mikroorganismen im Wasser jedoch ausreichend Sauerstoff. Mangelt es daran, reichern sich Nährstoffe wie Nitrat oder Phosphat an. Es setzen sogenannte anaerobe Fäulnisprozesse ein. Man spricht dann von einer Eutrophierung des Gewässers. Dieser Vorgang kann das Ökosystem schädigen und aus den Fugen bringen: Das Gewässer kann dadurch umkippen, wie hier am Beispiel eines Sees demonstriert wird.

In Flüssen gelingt die Selbstreinigung meist leichter als in Seen. Denn durch die Bewegung des Wassers sammeln sich nicht nur weniger Verunreinigungen an derselben Stelle. Die beim Fließen in Bewegung versetzte Wasseroberfläche kann auch mehr Sauerstoff aus der Luft aufnehmen als bei einem stehenden Gewässer.

Dennoch haben auch viele Flüsse Schwierigkeiten damit, die ihnen zugeführten Stoffe ganz abzubauen. Einerseits sind sie nicht in der Lage mit Belastungen wie Schwermetallen fertig zu werden, die im natürlichen Prozess nicht abgebaut werden. Aber auch die menschliche Zufuhr an organisch abbaubaren Stoffen kann das Vermögen der Flüsse sich selbst zu reinigen übersteigen. Auch wenn es also natürliches Material ist – wenn wir zu viel davon hineinleiten, versagt die Selbstreinigung. Wie stark ein Fließgewässer mit organisch abbaubarem Material belastet ist, zeigt seine Gewässergüteklasse an. Diese Karte stellt den Gewässergütezustand der Ruhr an verschiedenen Messstellen dar.

Trotz großer Mengen Laub im Herbst – das Problem für die Sauberkeit der Flüsse sind menschliche Einflüsse. Zudem werden die Selbstreinigungskräfte der Flüsse eingeschränkt durch Begradigungen und andere Flussausbauten, die in die natürlichen Abläufe des Ökosystems eingreifen. Auch wenn sich der Fluss also selbst reinigen kann – wir müssen uns fragen, wie viel wir ihm zumuten wollen.