Wasserwissen: Ruhr verstehen!

Anforderungen an das Baden in der Ruhr

Foto: Niklas Bildhauer

Am 19. und 20. April 2012 fand der Szenarien-Workshop zum Thema „Baden im Baldeneysee“ statt. Zahlreiche engagierte Bürger sowie Interessensvertreter verschiedener Organisationen folgten dem Aufruf, sich aktiv in die Planungen des Projekts Sichere Ruhr einzubringen und es mit ihrem Wissen, ihren Anregungen und ihrer Kritik zu bereichern. Im Workshop entstanden die folgenden Anforderungen an das Baden in der Ruhr. Diese Anforderungen sollten bei den später von den Teilnehmern entwickelten Bade-Szenarien als Grundlage berücksichtigt werden und sollen ebenso bei einer möglichen Umsetzung der Szenarien Beachtung finden.

Hygiene
Durchfallerkrankungen, Erkrankungen der Gehörgänge sowie Badedermatitis sind unangenehme Folgen, die ein Ruhrbad zum Status Quo (Stand: April 2012) mit sich bringen kann. Doch wie kommen diese Krankheitserreger in das Ruhrwasser? Einträge aus der Landwirtschaft, Verunreinigungen von Straßen und Häusern sowie Ausscheidungen von Vögeln haben einen wesentlichen Einfluss auf die Verunreinigung des Wassers. Starkregen spült diese verschiedenen Einträge in die Ruhr, so dass zum derzeitigen Zeitpunkt keine konstante Wasserqualität des Flusses gegeben ist. Sollte also das Baden offiziell oder auf eigene Gefahr erlaubt werden, muss der Verstand mit baden gehen. Besonders wichtig ist, dass der Fluss nach Unwettern gemieden werden sollte.

Mögliche hygienische Verschlechterungen der Wasserqualität durch Badende, wie zum Beispiel durch Sonnencreme oder Hautschüppchen sind jedoch nicht, wie häufig vermutet, gegeben. Diese Mikroverunreinigungen  werden in so großem Maße verdünnt, dass sie für die Wasserqualität keinerlei Beeinträchtigung darstellen.

Für die Informationsvermittlung bezüglich möglicher hygienischer Einschränkungen der Wasserqualität muss ein Frühwarnsystem entwickelt werden, das nicht-wissenschaftlich aufbereitete, verständliche Informationen bereithält.

Rechtslage
Ist es überhaupt erlaubt, ein generelles Badeverbot auszusprechen oder hat nicht vielmehr jeder Bürger ein Recht auf uneingeschränkten Zugang zu öffentlichen Gewässern und damit zum Baden? Ein generelles Badeverbot ist nach der gegebenen Rechtslage eigentlich nicht aufrecht zu halten. Jedem EU-Bürger steht das Recht zu, in Flüssen und Seen zu baden, ausgenommen davon sind Natur- und Wasserschutzgebiete. Hier gilt ein generelles Badeverbot. Zudem sind Kommunen dazu verpflichtet, sobald mehrere Bürger an einer bestimmten Stelle ins Wasser gehen, die Wasserqualität dieser Stelle zu untersuchen. Geht hiervon keine Gefahr aus, ist diese Stelle laut Badegewässerrichtlinie als offizielle Badestelle auszuweisen. Eine Vorgabe, die in der Ruhr nicht umzusetzen ist, denn die Wasserqualität schwankt. Doch unter welchen Voraussetzungen könnte das Baden in der Ruhr dennoch legalisiert werden? Unter Berücksichtigung verschiedener Möglichkeiten kommt rechtlich vielmals nur ein Baden auf eigenes Risiko in Frage. Denn offizielle Badestellen benötigen eine Infrastruktur mit Aufsicht, Parkplätzen und Müllentsorgung sowie die Beachtung der Verkehrssicherheitspflicht. Eine weitere Anforderung an das Projekt ist es damit, eine praktikable Lösung, die den rechtlichen Rahmenbedingungen entspricht, zu finden.

Nutzen
Welchen Nutzen bringt das Baden in der Ruhr für die Region und die Bewohner mit sich? Hierbei gibt es neben dem direkt sichtbaren kommerziellen Nutzen für Gastronomie, Hotellerie und andere Freizeitzweige auch weitere Nutzen für den Bürger, die erst auf den zweiten Blick erkennbar sind.

Ein zentraler Punkt ist hierbei der Imagewandel der Region, der mit dem naturnahen Baden im urbanen Raum weiter unterstützt werden könnte. Das Ruhrgebiet als Industrie- und Kohleabbaugebiet ist vielen ein Begriff, doch sein Wandel zur Kulturregion und grünen Großstadt ist im vollen Gange. Das Baden in der Ruhr würde diesen Wandel positiv unterstützen. Das Image der Region und ihrer Bewohner würde damit verbessert. Neben dem positiven Ansehen würde dies natürlich auch einen Standortvorteil der Region mit sich bringen.

Darüber hinaus bedeutet die Möglichkeit des Badens für die Bewohner selbst mehr Lebensqualität und Freizeitwert. Die Ruhr würde zu einem Ort der Begegnung und Entspannung. Zusätzlich könnten die Bürger von der naturnahen Erfahrungswelt profitieren, die besonders für Kinder ein erhebliches spielerisches Lernmoment mitbringt. Sie könnten Erfahrungen im Umgang mit der Natur sammeln und diese als ihre direkte Umwelt kennen und wertschätzen lernen.

Finanzierung
Die zentrale Fragestellung beim Thema Finanzierung ist natürlich die Frage danach, wer das Geld für eine mögliche Realisierung der Bade-Szenarien zur Verfügung stellen soll.

Als Nutznießer profitieren natürlich besonders die Bürger von der Bademöglichkeit der Ruhr, weshalb diese das Vorhaben in der ein oder anderen Weise durch einen kleinen Beitrag mit stemmen könnten. Die Bereitschaft für etwas Schönes und Nutzenbringendes auch selber zahlen zu wollen, wurde von engagierten Teilnehmern des Workshops durchaus in Betracht gezogen. Denkbar wäre hier Eintrittsgeldern für bestimmte Stellen am Baldeneysee und der Ruhr, Badescheine analog zum Anglerschein oder auch eine Kurtaxe oder Einnahmen durch Steuern. Mit diesen verschiedenen bürgergetragenen Finanzierungsinstrumenten könnte eine mögliche Infrastruktur an angedachten Badestellen errichtet und aufrechterhalten werden. Welche Form genau hierfür geeignet und von den Bürgern gewünscht ist, gilt es im Laufe des Projekts herauszufinden.

Zusätzlich zu den Bürgern könnten diejenigen Personen oder Institutionen zur Kasse gebeten werden, die für die schlechte Wasserqualität verantwortlich sind. Ebenso stellt die Kostenübernahme durch weitere Institutionen, die von der Ruhr als Badegewässer profitieren, eine Finanzierungsmöglichkeit dar. Solche Institutionen wären beispielsweise Restaurants, Wassersportclubs oder Hotels, die an der Ruhr ansässig sind.

Kommunikation
„Kann ich heute baden? Ja oder Nein?“ – dies ist die zentrale Fragestellung, die künftig für Badewillige von großem Interesse sein könnte. Auch wer tiefergehende Informationen rund um Schadstoffkonzentrationen und genauere Wasserwerte sucht sollte in der Lage sein, diese zum Beispiel auf einer Website oder mittels mobiler App abrufen zu können. Daher sollte ein Kommunikationssystem entwickelt werden, welches den Abruf eben dieser Information ohne großen Aufwand ermöglicht.

Sollte tatsächlich ein Badeverbot für einen bestimmten Tag ausgesprochen werden, müsste dieses mit Begründung angegeben werden, sodass es nicht willkürlich wirkt und für alle Bürger nachvollziehbar ist. Nur so kann der Bürger lernen, in welchen Situationen Baden in der Ruhr nach wie vor nicht möglich wäre.

Die Antwort auf die zentrale Frage und alle relevanten Informationen sollten dabei mit Bedacht auf älteres Publikum nicht nur per Internet vermittelt werden, sondern auch über andere Medien wie die Zeitung oder das Radio für die Nutzer zur Verfügung stehen. Unmittelbar am Badeort könnte darüber hinaus ein Ampelsystem in Kombination mit einer Informationstafel über die Badewasserqualität Auskunft geben. Doch wie soll ein solches Ampel- bzw. Frühwarnsystem aussehen? Von Ampeln über Fahnen bis hin zu fünfstufigen Skalen ist vieles denkbar. Als weitere Anforderung ergibt sich schließlich die Entwicklung eines einfach zu lesenden Kommunikations- und Frühwarnsystems zur Badewasserqualität.

 

Foto: Niklas Bildhauer

Am 19. und 20. April 2012 fand der Szenarien-Workshop zum Thema „Baden im Baldeneysee“ statt. Zahlreiche engagierte Bürger sowie Interessensvertreter verschiedener Organisationen folgten dem Aufruf, sich aktiv in die Planungen des Projekts Sichere Ruhr einzubringen und es mit ihrem Wissen, ihren Anregungen und ihrer Kritik zu bereichern. Im Workshop entstanden die folgenden Anforderungen an das Baden in der Ruhr. Diese Anforderungen sollten bei den später von den Teilnehmern entwickelten Bade-Szenarien als Grundlage berücksichtigt werden und sollen ebenso bei einer möglichen Umsetzung der Szenarien Beachtung finden.

Hygiene
Durchfallerkrankungen, Erkrankungen der Gehörgänge sowie Badedermatitis sind unangenehme Folgen, die ein Ruhrbad zum Status Quo (Stand: April 2012) mit sich bringen kann. Doch wie kommen diese Krankheitserreger in das Ruhrwasser? Einträge aus der Landwirtschaft, Verunreinigungen von Straßen und Häusern sowie Ausscheidungen von Vögeln haben einen wesentlichen Einfluss auf die Verunreinigung des Wassers. Starkregen spült diese verschiedenen Einträge in die Ruhr, so dass zum derzeitigen Zeitpunkt keine konstante Wasserqualität des Flusses gegeben ist. Sollte also das Baden offiziell oder auf eigene Gefahr erlaubt werden, muss der Verstand mit baden gehen. Besonders wichtig ist, dass der Fluss nach Unwettern gemieden werden sollte.

Mögliche hygienische Verschlechterungen der Wasserqualität durch Badende, wie zum Beispiel durch Sonnencreme oder Hautschüppchen sind jedoch nicht, wie häufig vermutet, gegeben. Diese Mikroverunreinigungen  werden in so großem Maße verdünnt, dass sie für die Wasserqualität keinerlei Beeinträchtigung darstellen.

Für die Informationsvermittlung bezüglich möglicher hygienischer Einschränkungen der Wasserqualität muss ein Frühwarnsystem entwickelt werden, das nicht-wissenschaftlich aufbereitete, verständliche Informationen bereithält.

Rechtslage
Ist es überhaupt erlaubt, ein generelles Badeverbot auszusprechen oder hat nicht vielmehr jeder Bürger ein Recht auf uneingeschränkten Zugang zu öffentlichen Gewässern und damit zum Baden? Ein generelles Badeverbot ist nach der gegebenen Rechtslage eigentlich nicht aufrecht zu halten. Jedem EU-Bürger steht das Recht zu, in Flüssen und Seen zu baden, ausgenommen davon sind Natur- und Wasserschutzgebiete. Hier gilt ein generelles Badeverbot. Zudem sind Kommunen dazu verpflichtet, sobald mehrere Bürger an einer bestimmten Stelle ins Wasser gehen, die Wasserqualität dieser Stelle zu untersuchen. Geht hiervon keine Gefahr aus, ist diese Stelle laut Badegewässerrichtlinie als offizielle Badestelle auszuweisen. Eine Vorgabe, die in der Ruhr nicht umzusetzen ist, denn die Wasserqualität schwankt. Doch unter welchen Voraussetzungen könnte das Baden in der Ruhr dennoch legalisiert werden? Unter Berücksichtigung verschiedener Möglichkeiten kommt rechtlich vielmals nur ein Baden auf eigenes Risiko in Frage. Denn offizielle Badestellen benötigen eine Infrastruktur mit Aufsicht, Parkplätzen und Müllentsorgung sowie die Beachtung der Verkehrssicherheitspflicht. Eine weitere Anforderung an das Projekt ist es damit, eine praktikable Lösung, die den rechtlichen Rahmenbedingungen entspricht, zu finden.

Nutzen
Welchen Nutzen bringt das Baden in der Ruhr für die Region und die Bewohner mit sich? Hierbei gibt es neben dem direkt sichtbaren kommerziellen Nutzen für Gastronomie, Hotellerie und andere Freizeitzweige auch weitere Nutzen für den Bürger, die erst auf den zweiten Blick erkennbar sind.

Ein zentraler Punkt ist hierbei der Imagewandel der Region, der mit dem naturnahen Baden im urbanen Raum weiter unterstützt werden könnte. Das Ruhrgebiet als Industrie- und Kohleabbaugebiet ist vielen ein Begriff, doch sein Wandel zur Kulturregion und grünen Großstadt ist im vollen Gange. Das Baden in der Ruhr würde diesen Wandel positiv unterstützen. Das Image der Region und ihrer Bewohner würde damit verbessert. Neben dem positiven Ansehen würde dies natürlich auch einen Standortvorteil der Region mit sich bringen.

Darüber hinaus bedeutet die Möglichkeit des Badens für die Bewohner selbst mehr Lebensqualität und Freizeitwert. Die Ruhr würde zu einem Ort der Begegnung und Entspannung. Zusätzlich könnten die Bürger von der naturnahen Erfahrungswelt profitieren, die besonders für Kinder ein erhebliches spielerisches Lernmoment mitbringt. Sie könnten Erfahrungen im Umgang mit der Natur sammeln und diese als ihre direkte Umwelt kennen und wertschätzen lernen.

Finanzierung
Die zentrale Fragestellung beim Thema Finanzierung ist natürlich die Frage danach, wer das Geld für eine mögliche Realisierung der Bade-Szenarien zur Verfügung stellen soll.

Als Nutznießer profitieren natürlich besonders die Bürger von der Bademöglichkeit der Ruhr, weshalb diese das Vorhaben in der ein oder anderen Weise durch einen kleinen Beitrag mit stemmen könnten. Die Bereitschaft für etwas Schönes und Nutzenbringendes auch selber zahlen zu wollen, wurde von engagierten Teilnehmern des Workshops durchaus in Betracht gezogen. Denkbar wäre hier Eintrittsgeldern für bestimmte Stellen am Baldeneysee und der Ruhr, Badescheine analog zum Anglerschein oder auch eine Kurtaxe oder Einnahmen durch Steuern. Mit diesen verschiedenen bürgergetragenen Finanzierungsinstrumenten könnte eine mögliche Infrastruktur an angedachten Badestellen errichtet und aufrechterhalten werden. Welche Form genau hierfür geeignet und von den Bürgern gewünscht ist, gilt es im Laufe des Projekts herauszufinden.

Zusätzlich zu den Bürgern könnten diejenigen Personen oder Institutionen zur Kasse gebeten werden, die für die schlechte Wasserqualität verantwortlich sind. Ebenso stellt die Kostenübernahme durch weitere Institutionen, die von der Ruhr als Badegewässer profitieren, eine Finanzierungsmöglichkeit dar. Solche Institutionen wären beispielsweise Restaurants, Wassersportclubs oder Hotels, die an der Ruhr ansässig sind.

Kommunikation
„Kann ich heute baden? Ja oder Nein?“ – dies ist die zentrale Fragestellung, die künftig für Badewillige von großem Interesse sein könnte. Auch wer tiefergehende Informationen rund um Schadstoffkonzentrationen und genauere Wasserwerte sucht sollte in der Lage sein, diese zum Beispiel auf einer Website oder mittels mobiler App abrufen zu können. Daher sollte ein Kommunikationssystem entwickelt werden, welches den Abruf eben dieser Information ohne großen Aufwand ermöglicht.

Sollte tatsächlich ein Badeverbot für einen bestimmten Tag ausgesprochen werden, müsste dieses mit Begründung angegeben werden, sodass es nicht willkürlich wirkt und für alle Bürger nachvollziehbar ist. Nur so kann der Bürger lernen, in welchen Situationen Baden in der Ruhr nach wie vor nicht möglich wäre.

Die Antwort auf die zentrale Frage und alle relevanten Informationen sollten dabei mit Bedacht auf älteres Publikum nicht nur per Internet vermittelt werden, sondern auch über andere Medien wie die Zeitung oder das Radio für die Nutzer zur Verfügung stehen. Unmittelbar am Badeort könnte darüber hinaus ein Ampelsystem in Kombination mit einer Informationstafel über die Badewasserqualität Auskunft geben. Doch wie soll ein solches Ampel- bzw. Frühwarnsystem aussehen? Von Ampeln über Fahnen bis hin zu fünfstufigen Skalen ist vieles denkbar. Als weitere Anforderung ergibt sich schließlich die Entwicklung eines einfach zu lesenden Kommunikations- und Frühwarnsystems zur Badewasserqualität.