Monthly Archives: August 2015

Fragen an das Projekt: Kann man vom Ruhrbaden krank werden?

Foto: Pascal Bovée

An heißen Tagen lockt das Wasser. Während der Sommermonate baden deshalb einige in der Ruhr, obwohl das bisher nicht erlaubt ist – aus hygienischen Gründen, denn im Fluss schwimmen auch Krankheitserreger. Diplom-Geograph Christian Timm und seine Kollegen vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn wollen wissen, wie groß das Risiko ist, beim Ruhrbaden zu erkranken.

Pascal Bovée: In diesem Sommer führt ihr am Baldeneysee eine Befragung durch. Wen interviewt ihr dort?

Christian Timm: Wir interviewen die erwachsenen Badenden an den Stellen Löwental und beim Ruder-Club in Essen.

Pascal Bovée: Was möchtet ihr von den Badenden wissen?

Christian Timm: Wir möchten wissen, wie oft und wie lange sie in der Ruhr baden waren. Ob sie mit dem Kopf unter Wasser waren und eventuell Wasser geschluckt haben. Wie oft Sie in der Saison baden waren. Wir fragen weiter, ob die Badenden derzeit gesund sind, also keine Magen-Darm-Infektion beziehungsweise Durchfallerkrankung haben oder ob aus dem engeren Umfeld jemand erkrankt ist. Des Weiteren fragen wir nach anderen möglichen Ursachen für eine Durchfallerkrankung, zum Beispiel was in den letzten zwei Wochen gegessen wurde. Die Probanden werden dann sieben bis zehn Tage nach dem Baden und noch einmal drei Wochen nach dem Baden von uns angerufen und nach möglichen Symptomen einer Magen-Darm-Infektion befragt.

Pascal Bovée: Welche Erkenntnisse versprecht ihr euch von den Befragungen?

Christian Timm: Wir möchten herausfinden, ob beziehungsweise in welchem Ausmaß die Badenden durch das Baden in der Ruhr eine Magen-Darm-Infektion beziehungsweise eine Durchfallerkrankung erleiden. Im Projekt haben wir hierfür bereits das Risiko berechnet. Jetzt können wir nachprüfen, ob diese Berechnungen zutreffend sind.

Pascal Bovée: Vielen Dank für das Interview.

Zeltfestival Ruhr am Kemnader See

Foto: Lutz Leitmann

An der Ruhr werden wieder die Zelte aufgeschlagen: 17 Tage lang gastieren darin Musiker und Künstler mit vollem Live-Programm direkt am Wasser.

Der Kemnader See in Bochum wird auch in diesem Jahr wieder zum Schauplatz des Zeltfestivals Ruhr. Vom 21. August bis 6. September finden dabei insgesamt rund 40 Veranstaltungen statt. Konzerte, Comedy und Kinderprogramm gehören dazu. Außerdem gibt es auf dem „Markt der Möglichkeiten“, der sich zwischen den Zelten erstreckt, lokale Marken und Produkte von Kunsthandwerkern und jungen Designern zu kaufen. In den Pagodenzelten rings um die „Piazza“ sorgen zahlreiche regionale Gastronomiebetriebe für ein reiches Angebot an Speisen und Getränken.

Das Festivalprogramm hat es in sich, besonders musikalisch: Nicht nur Clueso spielt live an der Ruhr, es gibt auch Soul von Anastacia, Reggae-Pop von UB40 sowie jede Menge deutschsprachigen Rock mit Revolverheld, Kraftklub und dem Farin Urlaub Racing Team.

Im Comedy-Zelt sind Olli Briesch und Michael Imhof mit einem Best-Of aus den 1LIVE-Comedy-Sendungen vertreten, inklusive Sprachpannen aus den O-Ton-Charts des Radioprogramms. Kabarettist Wilfried Schmickler von den WDR-Mitternachtsspitzen wartet mit seinem Soloprogramm auf. Auch der Bochumer Autor Frank Goosen steht hier auf der Bühne.

Das Kinderprogramm macht sich auf eine gemeinsame Spurensuche mit den Drei ???, begleitet Findus auf einem Umzug und veranstaltet ein Treffen mit der Sesamstraße. Das sind allerdings nur einige Ausschnitte aus dem umfangreichen Programm des diesjährigen Zeltfestivals Ruhr. Zum kompletten Spielplan geht es hier.

Zur Schonung der Umwelt am Kemnader See – und weil die Parkplätze dort begrenzt sind – empfehlen die Veranstaltenden die Anreise mit dem Öffentlichen Nahverkehr. Speziell dafür sind Sonderlinien vom Bochumer Hauptbahnhof zum Festivalgelände und zurück eingerichtet worden. Sie halten auch an der Bochumer Ruhr-Universität und können von von alle Konzertkarteninhabern genutzt werden.

Wie Wasser und Entwicklung zusammenhängen – die World Water Week 2015

Foto: Tomia. Lizenz CC BY-SA 3.0

Alljährlich findet in Schweden die sogenannte World Water Week statt. Seit 1991 kommen dort, organisiert vom Stockholm International Water Institute (SIWI), jährlich Experten aus aller Welt zusammen, um globale Fragen rund ums Wasser zu diskutieren. In diesem Jahr geht es dabei um den Zusammenhang von Wasser und Entwicklung.

Vom 23. bis 28. August 2015 ist Stockholm Schauplatz der wissenschaftlichen Plattform, die etwa 200 Organisationen und zahlreiche professionell in Wasserwirtschaft und -forschung Tätige zusammenbringt. In wissenschaftlichen Workshops und öffentlichen Diskussionen nähern sich die Wasserexperten dabei dem Thema Entwicklung an und fragen sich, welche konkrete Bedeutung der Umgang mit Wasser für sie hat. Eine wichtige Rolle wird dabei eine neue Zielsetzung für die globale Entwicklung spielen. Denn 2015 ist das Jahr, in dem die sogenannten Millenium Development Goals (MDG) erreicht sein sollten, jene Ziele, die sich die Vereinten Nationen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung des Planeten im Jahr 2000 gesteckt hatten. Auch wenn diese ambitionierten Vereinbarungen – darunter etwa die Halbierung des Anteils der Weltbevölkerung, der keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat – einige Fortschritte angestoßen haben, konnten nicht alle Ziele vollständig erfüllt werden. Auf der World Water Week will man dementsprechend diskutieren, welche Rolle das Thema Wasser bei der Ausformulierung neuer Zielvorgaben nach 2015 spielen kann und soll. Ausgangspunkt ist dabei die Annahme, dass Wasser eine Grundbedingung für gesunde Ökosysteme und für nachhaltige wirtschaftliche wie soziale Entwicklung ist.

Entsprechend behandeln die Workshops bei dem Stockholmer Forum Themen wie die Sicherstellung von Wasser- und Energieversorgung angesichts weltweit schnell wachsender Städte oder sie versuchen zu bestimmen, wie effektives Regierungshandeln bezogen auf das Wassermanagement aussehen sollte. Ein Workshop widmet sich der Frage, wie man Jugendliche und junge Berufstätige zum Mitdiskutieren und Mitwirken an den Wasserfragen der Zukunft motivieren kann – und möchte ihnen dazu auch Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Auch ein Preis für Nachwuchsprojekte, die sich mit Wasser beschäftigen, wird deshalb vergeben.

In einem weiteren Workshop wird besprochen, wie man große Fließgewässersysteme managen sollte, um die Ökosysteme der Küsten zu schonen, an denen sie münden. Dabei geht es unter anderem um die Flusssysteme des Sambesi, des Mekong und des Amazonas. Nicht zuletzt setzen sich die Teilnehmer der World Water Week mit zunehmender Dürre einerseits und Flutkatastrophen andererseits auseinander und diskutieren deren konkreten Zusammenhang mit dem Klimawandel. Hier gilt es, handfeste Problemlösungen zu finden, weil diese klimatischen Herausforderungen für das Wassermanagement eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung besonders gefährden.

Offene Aussprache und Diskussion der Zukunftsfragen spielt bei der World Water Week allgemein eine besondere Rolle. Eine Podiumsdiskussion über die Entwicklungsziele der Weltgemeinschaft – inwieweit sie erreicht wurden oder nicht – und über eine neue Wasseragenda eröffnet die Woche, ein Plenum zu den angesprochenen Klimafragen rundet sie ab. Das vollständige Programm der World Water Week findet sich hier.

 

Fotolizenz

Flussbett ohne Fluss

Foto: Jen & Elwood. Lizenz CC BY-NC-ND 2.0

Wassermangel wird im Hochsommer für viele Menschen zum Problem, besonders in heißen Gegenden. Oft hängt das damit zusammen, dass auch die Flüsse, an denen sie leben, nur noch wenig Wasser führen. Fließgewässer, die im Winter noch breit und tief sind, werden im Sommer zu kleinen Rinnsalen – oder trocknen ganz aus. Unsere Fotostrecke unten betrachtet das Phänomen.

Wenn es kaum regnet, das Flusswasser verdunstet und die Menschen am Fluss zugleich besonders viel Wasser zum Trinken brauchen oder es aus anderen Gründen, etwa für die Industrieproduktion, aus dem Fluss entnehmen, dann werden manche Fließgewässer ihrem Namen nicht mehr gerecht. Ihr Flussbett liegt trocken in der Sonne. Am Rio São Francisco in Brasilien wird die Dürre mittlerweile zum existenziellen Problem, wie das Deutschlandradio berichtete. Sogar die Quellen des Flusses sind dort kurzfristig schon ausgetrocknet. Und das bei einem Fluss, auf dessen Wasser Millionen Menschen als Fischer oder Bauern für ihren Lebensunterhalt angewiesen sind. Landwirte, die früher in vom Fluss gespeisten Lagunen Reis angebaut haben, geben ihren Beruf auf und ziehen in die Stadt. Fischer, die vor zehn Jahren noch tonnenweise Fisch aus dem Fluss zogen, müssen sich jetzt mit einer kargen Ausbeute abspeisen, von der sie nicht mehr leben können.

Nicht nur in Südamerika, auch in vielen Gegenden Afrikas und Indiens, gibt es ähnliche Probleme. Doch auch vor Europa macht die Dürre im Sommer nicht halt. Nicht überall hat das allerdings nur negative Folgen. Im spanischen Málaga etwa teilte früher der Fluss Guadalmedina die Stadt in zwei Hälften, an denen sich auch die Wohngebiete schieden. Arme beziehungsweise wohlhabende Bürger der Stadt wohnten vorzugsweise jeweils auf einer anderen Flussseite. Da der Fluss inzwischen selbst im Winter oft kaum noch Wasser führt und im Sommer meist ganz trocken liegt, ist diese Grenze zumindest geographisch im Verschwinden begriffen.

Wasserknappheit im Flussbett ist jedoch aufgrund der vielfältigen Nutzung europäischer Flüsse von der Trinkwasser- bis zur Energiegewinnung stets auch problematisch. Auch in Deutschland könnte das spürbar werden. Für Brandenburg und Berlin etwa sieht Verena Toussaint vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung im Hinblick auf die Binnengewässer eine schwierige Zukunft. Sie geht von deutlich längeren Trockenperioden aus und befürchtet, dass die Kanäle, Flüsse und Seen der Region im Sommer austrocknen könnten. Südeuropa sagen Wissenschaftler des Joint Research Center der Europäischen Kommission und der Universität Kassel in einer gemeinsamen Studie vorher, dass dort die niedrigen Wasserstände vieler Flüsse nochmals deutlich sinken werden. Giovanni Forzieri vom JRC macht neben dem Klimawandel auch eine steigende Wassernachfrage durch Industrie und Bevölkerung dafür verantwortlich.

Die iberische Halbinsel, Südfrankreich, Italien und die Balkanstaaten dürfte das noch vor Herausforderungen stellen. Denn ausgetrocknete Flussbetten verändern nicht nur die Landschaft, sondern auch das alltägliche Leben. In unserer Fotostrecke gibt es jedoch auch ein Beispiel für den umgekehrten Fall: Ein Flussbett, dass sich immer wieder aufs Neue mit Wasser füllt und dabei Leben mitten in eine Wüste hineinträgt.

Bildlizenzen Fotostrecke: CC BY 2.0, CC BY-NC 2.0, CC BY-NC-ND 2.0, CC BY-NC-SA 2.0, CC BY 3.0, CC BY-SA 3.0