Monthly Archives: August 2014

Energie und Wasser – die World Water Week

Foto: Stockholm International Water Institute.

Wasserkraft ist quasi der Klassiker unter den erneuerbaren Energiequellen. Schon seit vielen Jahrhunderten wird sie genutzt, um mechanische Vorrichtungen anzutreiben und Menschen so die Arbeit zu erleichtern. Ein einfaches Beispiel dafür sind Wassermühlen, die von Bächen und Flüssen in Gang gebracht werden. Heute strömt Wasser in Kraftwerken durch Turbinen, die dann wiederum einen Generator antreiben. Fast 20 Prozent des elektrischen Stroms weltweit wird so erzeugt, auch an den Wehren der Ruhr findet die Energiegewinnung mithilfe von Wasserkraft Anwendung. Dabei kann die natürliche Bewegungsenergie des Wassers genutzt werden und das Wasser selbst kehrt durch Verdunstung und Regen immer wieder in den Wasserkreislauf zurück – vom Prinzip her eine ausgesprochen ressourcenschonende Möglichkeit, elektrische Energie zu erzeugen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass bei der World Water Week in diesem Jahr das übergreifende Motto „Energy and Water“ auf dem Plan steht. In der kommenden Woche, vom 31. August bis 5. September, findet das internationale Expertenforum in Stockholm statt und über 200 Organisationen beteiligen sich daran. Dabei geht es allerdings um weit mehr als bloß das Thema Wasserkraft. Denn zwischen den Bereichen Energie und Wasser bestehen eine ganze Reihe von Verbindungen, die für unser Zusammenleben von Bedeutung sind. So benötigen wir etwa Energie, um Pumpen anzutreiben, Trinkwasser aufzubereiten oder schlicht um Wasser zum Kochen zu erhitzen. Andererseits brauchen wir Wasser zur Energiegewinnung auch abseits von Wasserkraft. Nicht nur umstrittene Fördermethoden von Energieträgern wie das Fracking arbeiten mithilfe von Wasser, auch um herkömmliche Kraftwerke zu kühlen wird Wasser in großen Mengen benötigt. Wenn man sich das bewusst macht, ist das offizielle Statement der World Water Week einleuchtend: „Wasser und Energie sind untrennbar miteinander verbunden.“

Der Anspruch des Forums ist dabei, eine umfassende Perspektive darauf zu verschaffen, wie unser Umgang mit Wasser und Energie zugunsten der Gesellschaft wie der Ökosysteme weiterentwickelt werden kann. Dazu passend wird es bei den Workshops, Diskussionen und Vorträgen in Stockholm auch um die Frage gehen, wie sich gemeinsam mit der Klimaveränderung auf unserem Planeten auch der weltweite Wasserkreislauf wandelt. Denn der Ausstoß von Kohlendioxid, der zu großen Teilen auf unseren Energieverbrauch zurückgeht, zeigt deutliche Rückwirkungen auf die Ressource Wasser. Wie Jens Berggren in einem Artikel für die World Water Week bemerkt, ist eine der gefährlichsten Auswirkungen des Klimawandels ein riskanter Anstieg der Schwankungen bei den weltweiten Wasservorkommen. An einigen Orten, an denen Wasser in der Vergangenheit leicht verfügbar war, wird es rar werden, andere vorher trockenere Regionen werden viel Wasser hinzubekommen. Die Wahrscheinlichkeit von starken Niederschlägen und Fluten einerseits und Dürrephasen andererseits nimmt stark zu und stellt uns vor neue Herausforderungen in Bezug auf das Wassermanagement. Und damit ebenso in Bezug auf unsere Energiegewinnung, deren Schicksal eng mit dem Wasser verknüpft ist.

Weitere interessante Perspektiven auf das Thema Wasser und Energie finden sich in dieser Broschüre der World Water Week. Das Programm der Veranstaltung gibt es hier.

Unterwegs mit der Weißen Flotte

Foto: Pascal Bovée, Sichere Ruhr.

„Da haben Sie sich aber einen Tag ausgesucht für Ihre Reportage!“, sagt Petra Kaiser und blickt aus dem Bordfenster. „Heute haben wir ja ganz schön Wellen auf dem See – aber ich mag das.“ Sie lächelt und reicht mir eine Tasse Kaffee zum Aufwärmen. Seit 14 Jahren arbeitet die rothaarige Gastronomiekraft auf den Ausflugsschiffen der Weißen Flotte. Immer während der Saison von Mitte April bis Mitte Oktober ist sie auf der Ruhr unterwegs. Und auf dem Baldeneysee, so wie heute. Im Bordbistro bedient Petra Kaiser die Fahrgäste des Schiffes „Stadt Essen“. Die Ausflügler bestellen Kaffee und Pflaumenkuchen, Cola und Bockwürstchen mit Senf. Nur für Eis ist es heute ein bisschen frisch. Oben auf Deck pfeift der Wind.

Außer der freundlichen Bedienung im Bordbistro mögen auch die Windsurfer dieses Wetter. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit schießen sie über den See hinweg. Für den Schiffsführer bedeutet das, dass er noch etwas aufmerksamer sein muss. Gerade betätigt er das Signal, um einen kreuzenden Surfer auf das nahende Schiff aufmerksam zu machen. „Früher fuhren hier auf der Ruhr die Frachtschiffe, da gab es ein bisschen mehr Verkehr“, lacht Tom Czepluch. „Heute gibt es nur noch die Erholung.“ Aber auch die hat es an manchen Tagen in sich. Denn nicht nur auf Windsurfer muss der Schiffsführer achtgeben. Knapp 2.000 Segler sind für den Baldeneysee angemeldet und kaum weniger Ruderer, bei schönem Wetter am Wochenende muss man da umsichtig manövrieren.

Der Kapitän der „Stadt Essen“ fährt seit 2004 für die Weiße Flotte. „Ich habe auf dem Rhein Schifffahrt gelernt“, erzählt er. „Auf den Frachtschiffen, die ich dann begleitet habe, war ich vier Wochen an Bord und dann zwei Wochen zuhause. Da ist mein Job hier beziehungsfreundlicher.“ Im Winter, wenn der Linienverkehr der Weißen Flotte ruht und der Schiffsführer nur ab und an eine Sonderfahrt macht, arbeitet Tom Czepluch in der Instandhaltung der Flotte mit. „Die sind alle in gutem Zustand“, beantwortet er dementsprechend auch die Frage nach den Rettungsringen an Bord.

Die Sicherheit spielt beim Befahren des Sees eine wichtige Rolle – angefangen bei den Sicherheitsvorschriften an Bord bis hin zum felsigen Grund Richtung Werden unterhalb des Stauwehrs. „Da sollte man das Fahrwasser besser nicht verlassen“, sagt Tom Czepluch. Insgesamt herrschten für den Schiffsverkehr auf dem Baldeneysee aber gute Bedingungen, was die Sicherheit angeht, meint er. „Im Gegensatz zum Fluss gibt es hier keine Strömung. Und wenn wirklich mal etwas passieren würde – der See ist nur knapp drei Meter tief. Und außerdem, Sie sehen ja, das Ufer ist nicht weit.“

Ich folge seinem Blick Richtung Ufer, wo die nächsten Fahrgäste auf die Weiße Flotte warten. Kurze Zeit später vertäut Bootsfrau Victoria Kräling das Schiff an der Anlegestelle. Freundlich verabschiedet sie die aussteigenden Gäste und begrüßt die neuen. Es ist nur ein kurzer Stopp, bevor die Fahrt auf dem See weitergeht. Dann schnallt sich die Bootsfrau eine Kasse mit Wechselgeld um und besucht die einzelnen Fahrgäste und Gruppen an Deck, um von Ihnen die Fahrgebühr zu erheben. Über ihnen flattert eine bunte Fähnchengirlande.

Es ist eine echte Erholungsfahrt. Wir schippern mitten im dicht besiedelten Ruhrgebiet umher, aber wenn man sich auf dem Stausee umschaut, sieht man in alle Richtungen Grün. Gegenüber wird zwischen den Bäumen der Förderturm der ehemaligen Zeche Carl Funke sichtbar. Nächster Halt ist der Biker-Treffpunkt Haus Scheppen, an dem sich zur Mittagszeit einige Motorradfahrer versammelt haben. Aber auch die Wasservögel, von denen es auf dem Stausee nicht nur im Vogelschutzgebiet viele gibt, begrüßen hier die Weiße Flotte mit ihrem Geschnatter. Sie lassen sich unten neben dem Anleger auf den Wellen treiben.

Ich frage Tom Czepluch, was er davon hielte, wenn man hier im See wieder schwimmen dürfte. „Es schwimmen auch jetzt schon einige drin“, entgegnet er. „Das stört mich nicht, die wissen, dass hier Schiffe verkehren und bleiben in ihrer Ecke.“ Aber eine allgemeine Badeerlaubnis? „Das wäre für uns Schiffsführer schon ein Problem“, sagt er. Er fragt sich, ob so eine Erlaubnis dann wohl nur im Hellen gelten würde. „Wenn es dunkel ist, sehen wir Schwimmer nämlich nicht.“ Dann deutet er auf das Wasser vor dem Bug. „Schauen Sie sich die Sicht hier oben von der Brücke mal an! Was näher als fünf Meter heranschwimmt, können wir auch im Hellen nicht sehen.“ Für einen Schwimmer seien fünf Meter eine große Distanz, wenn sich ein Schiff nähert. „Aber für uns nicht – wir können dann nicht mehr anhalten.“

Auch wenn man meinen mag, dass ein Schwimmer sich eigentlich nicht so nah an ein Schiff heranwagt, erzählt Tom Czepluch das aus gutem Grund: „Wir kennen das vom Rhein-Herne-Kanal. Da versuchen Jugendliche immer wieder die Schiffe anzuschwimmen. Zum Beispiel als Mutprobe. Dabei besteht die ernsthafte Gefahr, dass jemand in den Sog der Schraube gerät.“

Dennoch hat der Schiffsführer Verständnis für den Wunsch nach einem Badesee. „Die Leute sollen sich ja auch abkühlen können“, meint er. „Wenn es ein abgesteckter Bereich ist, in dem geschwommen wird, zum Beispiel um den Seaside Beach herum, dann ist das auch kein großes Problem für mich.“

Wir reden noch ein wenig über seine Arbeit auf dem See und dann verlasse ich die Brücke wieder. An der ehemaligen Eisenbahnbrücke zwischen Heisingen und Kupferdreh, kurz bevor die Ruhr in den See mündet, hält das Schiff an einem Biergarten, um weitere Fahrgäste aufzunehmen. Auch sie wollen den Stausee vom Wasser aus erkunden. Ich setze mich zu ihnen an Deck, um die restliche Fahrt zu genießen. Auch wenn der frische Wind durch meine Jacke dringt, hier oben ist die Aussicht am besten.

Auf dem Weg zurück zu meinem Ausgangspunkt, dem S-Bahnhof unterhalb der Villa Hügel, passieren wir die Liegestühle am Seaside Beach. Im Moment schwimmt dort noch niemand. Bevor das Schiff wieder zum Regattahaus am S-Bahnhof zurückkehrt, kommen wir an einem Steg vorbei. Von dort winken uns einige Kanufahrer zu, die gerade in ihre Boote steigen. Die Kinder an Bord winken zurück. Die „Stadt Essen“ befördert inzwischen an die 30 Passagiere. Trotz Windes und aufziehender Wolken ist es eine beliebte Tour.

Mehr Informationen zu den Ausflugsfahrten der Weißen Flotte gibt es hier.

17 Tage Kultur am Wasser – das Zeltfestival Ruhr

Foto: Enrico-Kalolczak

Bei Camping-Urlaubern sind die Stauseen an der Ruhr im Sommer beliebte Naherholungsgebiete. Auch am Kemnader See in Bochum werden in diesem Monat wieder die Zelte aufgeschlagen. Allerdings sind es keine gewöhnlichen Campingzelte. Schon aus der Entfernung kann man die hohen weißen Spitzen und Fahnen sehen: Das Zeltfestival Ruhr ist wieder zu Gast in Bochum.

Die große Kulturveranstaltung draußen am Wasser ist ganze 17 Tage lang – sie dauert vom 22. August bis 7. September. Dabei wartet sie mit einem Programm auf, das reich an bekannten Namen ist: Mit dabei sind Pop-Größen wie Milow, die Sportfreunde Stiller, Casper, die Simple Minds, Fettes Brot und die Kölner von BAP, die diesmal unplugged spielen wollen.

Neben Musik gehören aber auch Sprachveranstaltungen wie Shows von Comedians oder Autorenlesungen zum umfangreichen Programm des Festivals, darunter die Auftritte von Johann König und Sven Regener. Außerdem ist am Kemnader See ein ausgiebiges Kinderprogramm geplant: Das THEATER auf Tour zeigt Pippi Langstrumpf und auch Aufführungen von Räuber Hotzenplotz sowie dem Sams gibt es in Bochum zu sehen. Welche Überraschungen das Festival noch bereit hält findet sich auf dem komplette Spielplan des Zeltfestivals.

Viele der Veranstaltungen beim Zeltfestival Ruhr (diejenigen auf der Piazza und Piazettabühne) sind schon für drei Euro zu haben, für die Konzerte in den Eventzelten muss man allerdings separate Eintrittskarten kaufen.

Auf dem großen Außengelände des Festivals am See bestehen außerdem jede Menge Speisen- und Getränkeangebote, um sich zwischen den Events zu versorgen.  Daneben bietet sich die Möglichkeit zum Shoppen auf dem „Markt der Möglichkeiten“, wo Kunsthandwerker und Designer ihre Waren verkaufen.

Weitere Infos zum Zeltfestival Ruhr finden sich in den Wasserwelten.

Projektpartner: ISA – Der Spur der Keime folgen

Foto: ISA.

Auf den ersten Blick mag es etwas abwegig erscheinen. Doch ein paar Dinge haben die Projektpartner von Sichere Ruhr an der RWTH Aachen mit Detektiven gemeinsam. Die Verdächtigen, denen die Mitarbeiterinnen des Aachener Instituts für Siedlungswasserwirtschaft (ISA) nachspüren, sind allerdings Keime. Das ISA verfolgt die oft verborgenen Wege, auf denen sie in den Fluss gelangen und geht so der Wasserverunreinigung auf den Grund.

Silke Roder umreißt die Aufgabe des ISA im Projekt natürlich nüchterner als eine Detektivin, wie sie in einem Krimi auftreten würde: „Wir schauen nach, aus welchen Quellen die mikrobiellen Belastungen der Ruhr stammen“, sagt sie. Das mögen nicht unbedingt dubiose Quellen sein wie in der Kriminologie, aber diffuse Quellen sind es doch. Nicht klar einzugrenzen und nur unklar zu bestimmen sind diese Auslöser von Wasserverunreinigungen, denen Silke Roder für Sichere Ruhr nachspürt. Und auch nur mit einer gewissen Hartnäckigkeit lassen sie sich aufdecken. Häufig sind sie in der Landwirtschaft zu finden, zum Beispiel ist der Kot von Tieren eine solche Quelle, aus der Bakterien in die Ruhr gelangen, erklärt die junge Wissenschaftlerin.

Um eine aussagekräftige Bilanz über die diffusen Quellen zu erstellen, greift Bauassesorin Silke Roder auf Daten des Ruhrverbands und der Landwirtschaftskammer zurück, nutzt Bilder von Überfliegungen des Einzugsgebietes der Ruhr und arbeitet mit den Geographen vom IHPH in Bonn zusammen. Die Kollegen aus Bonn helfen ihr, die Puzzleteile zu einer Karte zusammenzusetzen, auf der man schnell sieht, wo möglich Gefahrenquellen für das Ruhrwasser liegen. Alle für die Bilanzierung der diffusen Quellen notwendigen Daten zusammenzutragen, sagt Silke Roder, „ist eine ganz schöne Herausforderung“.

Die Doktorandin und ihre Aachener Kolleginnen sind aber nicht nur den schwer auffindbaren Keimquellen auf der Spur, sondern auch den vergleichsweise offensichtlichen. Zum Beispiel den Kläranlagen. Diese haben sie als Haupteintragspfad für die verfolgten Bakterien ausgemacht – zumindest bei trockenem Wetter. Dabei haben Messungen in Essen und Schwerte geholfen, die Kollegin Kassandra Klaer ausgewertet hat. Die Entsorgungsingenieurin hat auch ein anderes interessantes Zwischenergebnis zu Tage gefördert: Den Zusammenhang zwischen Niederschlag und der Keimbelastung der Ruhr. Wenn es stark geregnet hat, ist letztere nämlich regelmäßig erhöht. Aber nach mehreren trockenen Tagen in Folge sind die Wasserwerte für eine bestimmte Zeit gut – und würden theoretisch das Baden im Fluss gestatten, zumindest aus hygienischer Sicht. Die Untersuchungsdaten für dieses Ergebnis lieferten Kassandra Klaer einerseits die anderen Projektpartner – durch die Wasserproben, die sie an den acht im Projekt untersuchten Stellen der Ruhr genommen und ausgewertet haben. Andererseits griff sie auf ältere Messungen und auf Niederschlagsdaten zurück, die sie damit verglich.
Dabei brauchte sie einiges wissenschaftliches Kombinationsvermögen, denn „man muss versuchen, Ungereimtheiten in den Datensätzen zu erklären“, wie Silke Roder ausführt. „Natürlich machen wir eigene Messungen, aber man ist immer auch zusätzlich auf Literaturdaten angewiesen“, erklärt sie. „Die Literaturrecherche ist ein großer Teil der Arbeit in unserem Projekt gewesen, um die Belastung des Wassers richtig einzustufen.“ Auch das Bild des Privatdetektivs, der ständig bei Nacht und Nebel undercover in Aktion tritt, ist ja meist mehr der Dramaturgie einer Fernsehserie geschuldet. Vermutlich sieht sich der echte Detektiv häufig vor einem Berg schlichter Büroarbeit, muss Unterlagen wälzen, Telefonate führen, recherchieren. Den Kolleginnen vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft geht es in dieser Beziehung ähnlich. Neben den Literaturrecherchen verbringt Silke Roder auch am Telefon und vor ihrem E-Mail-Postfach einen guten Teil ihrer Arbeitszeit für das Projekt Sichere Ruhr. Zum Beispiel stimmt sie mit dem Projektpartner Xylem die Versuche an den Kläranlagen ab. Dabei geht es nicht nur um das Auffinden von Bakterien. Auch wie man sie am wirkungsvollsten bekämpft, möchten die Aachenerinnen herausfinden.

Deshalb testen sie in verschiedenen Kläranlagen an der Ruhr nicht nur die bewährten Methoden der UV-Bestrahlung und Ozonung auf ihre Effektivität hin, sondern nehmen auch ein neues chemisches Verfahren unter die Lupe: An einer Versuchsanlage in Velbert erprobt Katharina Tondera die Wirksamkeit von Perameisensäure zur Verbesserung der Wasserqualität.

Die Arbeit des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft im Projekt ist damit eindeutig auch auf die Zukunft des Flusses ausgerichtet. Denn man möchte am Ende beurteilen: „Welche Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität würden wir ganz konkret für das Projektgebiet vorschlagen und was kosten diese, was würden sie bringen“, so Silke Roder. Einige Tendenzen kristallisieren sich dabei bereits heraus. „Der Ausbau der Kläranlagen gehört zu diesen Maßnahmen, die wir vorschlagen werden“, meint die Ingenieurin. Dabei seien die Anlagen zur UV-Bestrahlung des Wassers technisch einfacher, unanfälliger und kostengünstiger als Anlagen, die mit Ozon arbeiten. Für die Keimbekämpfung, um die es bei Ihren Untersuchungen im Projekt Sichere Ruhr geht, sehen die Aachenerinnen darin deshalb die geeignetere Methode. Aber Silke Roder denkt auch ein wenig darüber hinaus. „Man müsste, wenn man wirklich an die Umsetzung der Projektergebnisse geht, einmal kritisch fragen, ob es wirklich unser einziges Ziel sein sollte, Keime zu eliminieren“, meint sie. Eine Ozonbehandlung kann nämlich über Keime hinaus auch Spurenstoffe aus dem Wasser entfernen. So könnte man zum Beispiel Medikamentenrückstände bekämpfen – eine Wasserbelastung, die im Projekt nicht untersucht wurde.

Für den von Katharina Tondera untersuchten Fall des überlaufenden Mischwassers – dem Eintragspfad der bei Regenwetter den größten Anteil an der Belastung der Ruhr hat – schlagen die Wissenschaftlerrinnen der RWTH Aachen Maßnahmen vor, um schon das Überlaufen des Wassers in den Fluss möglichst zu vermeiden. Hier wären etwa eine Vergrößerung von Überlaufbecken oder eine Kanalnetzsteuerung ein gangbarer Weg, wie Silke Roder meint. Bei der Kanalnetzsteuerung wird versucht, den Stauraum in den vorhandenen Kanalnetzen besser auszunutzen, indem man etwa den Füllstand der Rohre anhebt. „Damit kann bei Niederschlag eine gewisse zusätzliche Menge des Wassers im Untergrund zurückbehalten werden, die dann nicht in die Gewässer abschlägt“, erklärt Silke Roder. Wenn der Regen vorbei ist, kann man dieses Wasser dann zur Behandlung in die Kläranlagen schicken.

Neben der Vermeidung des Wasserüberlaufs wäre es aber auch möglich, das Mischwasser zu behandeln – etwa mit einem Lammellenklärer, einer Art schräg stehendem Kamm, der das Wasser verlangsamt und ermöglicht dass sich Partikel absetzen. So wird auch das trübe Mischwasser etwas klarer. Eine Voraussetzung dafür, dass man es anschließend wirkungsvoll UV-behandeln kann, um die Keime darin zu beseitigen. Die Erfolgsaussichten dieser Methode müsse man aber noch weiter untersuchen, meint Silke Roder.

Dennoch sieht sie ganz konkrete Auswirkungen, die das Projekt Sichere Ruhr für die Region haben könnte, wenn die beschriebenen Maßnahmen ergriffen würden. „Durch eine Mischwasserbehandlung nach Regentagen könnte man erreichen, dass das Wasser an mehr Tagen Badewasserqualität hat“, meint sie. Auch an Trockenwettertagen ließe sich das Flussbaden mit Verfahren wie der UV-Bestrahlung sicherer machen – vor allem in Bezug auf Rotaviren, die zwar in der Badegewässerrichtlinie keine Rolle spielen, aber nach den Untersuchungen von Sichere Ruhr dennoch ein Erkrankungsrisiko in der Ruhr darstellen.

Auf die Frage, ob sie selbst in den Fluss springen würde, lacht Silke Roder und überlegt dann. „Mal die Füße reinhalten“, sagt sie. „Aber ich würde nicht tauchen.“ Eine Wissenschaftlerin verhält sich da vielleicht wie eine Detektivin: Sie stürzt sich nicht gleich selbst ins Geschehen, sondern bleibt vorsichtshalber eine Weile am Rande, um die Lage von neutraler Position aus einzuschätzen.