Monthly Archives: Juli 2014

Professor schwimmt 1.231 Kilometer durch den Fluss – für den Gewässerschutz

 

Foto: Hochschule Furtwangen, Projekt Rheines Wasser.

Wassersport ist im Sommer eine schöne Sache. In vielen Seen und Flüssen kann man rudern, surfen oder schwimmen. Aber gleich 1.231 Kilometer durch einen Fluss schwimmen, von der Quelle bis zur Mündung – warum sollte man sowas Verrücktes machen?

Andreas Fath ist Langstreckenschwimmer. Schon seit er neun Jahre alt ist, springt der mittlerweile 49-jährige mit Vorliebe in Seen und sucht dabei gern die Herausforderung. Den Bodensee hat er deshalb bereits durchquert. Diesmal ist ein Fluss dran. Aber nicht irgendeiner, sondern gleich ein Strom, der von den Schweizer Alpen bis zur niederländischen Nordsee reicht, eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt: der Rhein. Dabei geht es dem Wassersportler Fath allerdings nicht in erster Linie ums Schwimmen.

Denn Andreas Fath ist nicht nur Sportler, er ist auch Professor für Chemie an der Hochschule Furtwangen im Schwarzwald. Als Wissenschaftler interessiert er sich für die Stoffe in den Gewässern, in denen er schwimmt. Denn einige Stoffe finden sich darin, die dort eigentlich nicht sein sollten. Im Rhein etwa Rückstände von Antibiotika, Pestiziden und Düngemitteln, Hormonen (unter anderem von der Anti-Baby-Pille) und sogar von Drogen. „Die Kläranlagen sind nicht in der Lage, all diese Stoffe abzubauen,“ erklärt Andreas Fath.

Vor seiner Hochschultätigkeit hat der Chemiker in der Industrie gearbeitet und Abwasserforschung betrieben. Dabei entwickelte er eine Technik, um bestimmte Schadstoffe zu zersetzen, die bis dahin als nicht zersetzbar galten. „Daran möchte ich weiterforschen“, so der Wissenschaftler. Bloß könne sich seine Hochschule die dafür erforderliche, teure Anlage nicht leisten.

Aus diesem Grund greift Andreas Fath zu außergewöhnlichen Mitteln. Mit seiner Extremsport-Schwimmaktion durch den gesamten Fluss sammelt er Sponsorengelder für das Wasseranalyse-Gerät. Den Rhein schwimmend zu durchqueren – und das wohlgemerkt der Länge nach – ist allerdings keine Aufgabe für untrainierte Schwimmer. Im Schnitt 50 Kilometer am Tag muss Andreas Fath zurücklegen, wenn er wie geplant am 24. August am Ziel in Rotterdam angelangt sein will, wo der Strom am Hoek van Holland in die Nordsee mündet. Deshalb hat sich der Schwimmer ein Jahr lang auf die Mammut-Aufgabe vorbereitet, bevor er am vergangenen Montag endlich in den Rhein sprang. Insgesamt 25 Schwimm-Etappen muss Fath nun bewältigen – und es geht gleich anspruchsvoll los. Denn schon am Vorderrhein in der Schweiz, kurz nach der Quelle des Flusses, kann man in den Rhein nicht so einfach hineinspringen und locker hindurchkraulen. Hier stellt eine Schlucht mit schroffen Felsen eine ernstzunehmende Gefahr dar. Echtes Schwimmen ist deshalb nur schwer möglich – die Etappe wird wohl eher ein Waten mit Schutzhelm durch die schwierigen Strömungen – und das unter Begleitung eines erfahrenen Kajakfahrers, der die Route weist. Interessant für alle Interessierten im Ruhrgebiet wird es besonders bei Etappe 20, die Andreas Fath voraussichtlich am 19. August zurücklegt – hier passiert er in Duisburg die Mündung der Ruhr in den Rhein. Da auf diesem Abschnitt des Flusses viele Frachtschiffe unterwegs sind, von denen der Schwimmer nicht überfahren werden möchte, wird ihn ein Motorboot nach hinten absichern. Enden soll Faths Aktion fünf Tage später bei Rotterdam, wo schließlich der Rhein selbst mündet – in die Nordsee.

Andreas Fath ist aber zu sehr Wissenschaftler, um die 1.231 Rheinkilometer nur mit Schwimmen zu verbringen. Deshalb krault der Chemiker nicht nur durch den Fluss, er untersucht ihn gleichzeitig auch. Begleitet von seinen Studenten nimmt er täglich Wasserproben, deren Ergebnis er nach Ende der Aktion bei einem Wassersymposium vorstellen möchte. Neben den oben genannten Wasserverunreinigungen wie Hormonen oder Antibiotika, stehen dabei auch noch weitere Stoffe auf seiner Untersuchungsliste, etwa kleine Plastikteilchen. „Wir erwarten uns neue wissenschaftliche Erkenntnisse etwa zur Frage, ob das Problem der Verschmutzung der Ozeane durch Mikroplastik-Abfälle einen Ursprung bereits in unseren Flüssen hat“, erklärt der Professor.

Aber auch, ob sich die Gewässergüte in den letzten Jahren insgesamt positiv entwickelt hat, möchte er herausfinden. Schließlich beziehen allein 22 Millionen Menschen aus dem Rhein ihr Trinkwasser. In diesem Video erklärt Andreas Fath den Hintergrund zu seinem Vorhaben. Es geht ihm auch darum, das Bewusstsein für die Kostbarkeit des Wassers und den Gewässerschutz zu stärken. Wenn ein „verrückter Professor“ durch den Rhein schwimmt, glaubt er, hören die Leute dabei eher hin.

Der Weg des Wassers – das Wasserleitungsnetz

Foto: Friedrich Böhringer

So einfach und so alltäglich das Duschwasser sprudelt – es steckt ein ziemlich ausgeklügeltes System dahinter, ein ganzes Netz von Rohren und Leitungen, die das Wasser zu uns bringen und es wieder forttragen, nachdem wir es benutzt haben. Das System muss leistungsfähig sein, besonders in Städten, wo es jeden Tag viele tausend Menschen mit Trinkwasser ver- und ihr schmutziges Abwasser entsorgt.

Schon vor über 3000 Jahren bauten Menschen Leitungssysteme zur Wasserversorgung größerer Siedlungen. Die ältesten Überlieferungen dazu stammen aus der Zeit des ägyptischen Pharaos Ramses II aus dem Jahre 1300 vor Christus. Systeme zum Abführen des Schmutzwassers sind sogar noch 700 Jahre früher aus Pakistan bekannt. Mit der Entstehung von Städten wurde eine gesicherte Wasserver- wie entsorgung für die Menschen dort lebensnotwendig. So sind die Römer bekannt für ihre umfangreichen Leitungsnetze, für die sie zahlreiche Aquädukte bauten, um ihre Städte mit Wasser zu versorgen. In Rom selbst führte die berühmte Cloaca Maxima das benutzte dreckige Wasser wieder ab – für das Leben in einer Großstadt eine existenzielle hygienische Voraussetzung. In den Pest- und Cholera-Epidemien des Mittelalters zeigte sich, was geschehen kann, wenn eine geordnete Abwasserentsorgung nicht stattfindet.

Heute ist das zum Glück Geschichte und die modernen europäischen Städte sind in dieser Hinsicht deutlich besser ausgestattet. Immer noch nutzt man aber wie damals Bäche und Flüsse zur Abwasserentsorgung und in einigen Fällen auch zur Trinkwasserversorgung, so im Fall der Uferfiltration an der Ruhr. Das aufbereitete Trinkwasser passiert auf dem Weg in unsere Wohnungen viele Rohre. Vom Wasserwerk aus gelangt es über eine Hauptwasserleitung, deren Durchmesser über einen Meter betragen kann und die sich schließlich immer weiter verzweigt, in die Stadt. Um in Stoßzeiten – vor allem morgens und abends – genügend Wasser bereitstellen zu können, kommen Zwischenspeicher zum Einsatz. Diese befinden sich sinnvoller Weise an geographisch höher liegenden Punkten, so dass das Wasser mit dem nötigen Druck ins Rohrnetz eintreten kann, um zu seinem Ziel zu gelangen. Zur Überwindung von Höhenunterschieden im Versorgungsgebiet werden aber vielerorts auch Pumpen eingesetzt. Die Leitungen, die uns das Trinkwasser bringen, liegen zum Schutz gegen Frost bis zu anderthalb Meter tief im Boden. Sie werden laufend überwacht und repariert, was hilft den Wasserverlust in Deutschland vergleichsweise gering zu halten – etwa 6,5% des Trinkwassers geht im Rohrleitungsnetz verloren, in Europa der niedrigste Wert. Nach den öffentlichen Leitungen durchströmt das Trinkwasser noch die privaten in unseren Häusern, was aufgrund weniger lückenloser Kontrollen eine Quelle von Verunreinigungen sein kann.

Unabhängig vom Netz der Versorgung mit frischem Wasser findet der umgekehrte Weg statt: die Entsorgung des Schmutzwassers, für die Städte eine Kanalisation besitzen. Das Schmutzwasser beinhaltet die anfallenden Abwässer und Fäkalien aus Bad und Küche und ist mit Keimen belastet, weshalb es in der Kläranlage aufbereitet werden muss, bevor es dem Wasserkreislauf wieder zugeführt werden kann. Es muss dringend zuverlässig und separat vom Trinkwasserkreislauf entsorgt werden, um hygienische Risiken für die Stadt zu vermeiden.

Nicht getrennt wird das Schmutzwasser aber im Entsorgungsnetz häufig vom Regenwasser. Um Überflutungen zu vermeiden, wird auch dieses Wasser aus den Städten abgeleitet. Denn aufgrund der vielen bebauten Flächen in einer Stadt, kann der Regen häufig nicht einfach versickern wie auf dem Land, auch wenn gegenwärtig in der Stadtplanung wieder verstärkt versucht wird, Möglichkeiten für ein ortsnahes Versickern zu schaffen. Werden Schmutz- und Regenwasser in einer Stadt über denselben Kanal entsorgt, spricht man von einem Mischwassersytem. Wo beide auf ihrem eigenen Weg abfließen, liegt ein Trennsystem vor.

Die Abwasserkanäle sind in der Regel nur in Ausnahmefällen wie nach starkem Regen komplett mit Wasser gefüllt und im Vergleich zu Trinkwasserleitungen breiter angelegt. Ein Kanalisationsnetz kann dennoch kaum die gesamte anfallende Menge an Schmutz- und Regenwasser allein ableiten, weshalb auch Entlastungsbauwerke Teil der Wasserentsorgung sind, zum Beispiel Regenüberlaufbecken. Eine umweltschonende Variante der Wasserentsorgung ist die Kanalnetzsteuerung, die beispielsweise in Leipzig zum Einsatz kommt – dabei wird Schmutzwasser in den nur teilweise gefüllten Kanälen zwischengespeichert und erst nach und nach an die Klärwerke abgegeben, die dann seltener überlaufen – eine Entlastung für die natürlichen Fließgewässer.

Doch für eine gute städtische Wasserentsorgung sind noch weitere Hürden zu nehmen: Zum Teil gelangen auch Industrieabwässer in die Kanalisation. Da diese sehr spezielle Verunreinigungen wie Chemikalien oder Salze enthalten können, ist es nötig sie in firmeneigenen Anlagen vorzuklären, bevor sie in öffentliche Systeme geleitet werden dürfen.

Viele Wege durch unterschiedliche Rohre und Bauwerke muss das Wasser also gehen, damit wir uns bedenkenlos nach dem Sport duschen können.

Wassersport auf dem Fluss

Foto: Bill Ebbesen

Gutes Wetter, Menschen unter freiem Himmel und ein blaues Gewässer – das ruft nach Freizeit und Sport. Rechtzeitig zum Sommer wollen wir uns anschauen, welche Sportarten auf der Ruhr und ihren Stauseen möglich sind.

Der Klassiker unter den Flusssportarten ist das Rudern. Dafür gibt es an der Ruhr zahlreiche Vereine. Der bei Wassersportlern beliebte Baldeneysee in Essen, einer der Stauseen des Flusses, ist seit einigen Jahren sogar „Bundesnachwuchs-Leistungszentrum Rudern“. Hier am See findet zudem im Zweijahresrhythmus die Hügel-Regatta statt, die größte internationale Ruderveranstaltung in Europa. Ganze 1900 Ruderer sind um den Baldeneyee in Vereinen organisiert.

Im Gegensatz zu den Ruderern, die mit dem Rücken zur Fahrrichtung unterwegs sind, sitzen Kanuten vorwärts im Boot. Alljährlich begehen sie an der Ruhr gemeinsam das Anpaddeln. Ein „idealer Wanderfluss“ sei die Ruhr, meint die Bundesvereinigung Kanutouristik. Kanuten können dort weitgehend frei von Motorbooten die Landschaft, Tierwelt und Industriekultur beobachten, während sie paddelnd den Fluss entlang „wandern“. Für Bootswanderer (und Ruderboote allgemein) ist die Ruhr ab Schwerte bis zur Rheinmündung bei Duisburg auf 102 Kilometern befahrbar. Allerdings begegnen ihnen dabei auch zahlreiche Wehre, die zwar auf Bootsrutschen zu umfahren sind – aber Tagesetappen von mehr als 35 Kilometern sind dabei nicht zu empfehlen. Weitere Tipps zur Ruhr bekommen Bootswanderer hier.

Ebenfalls im Paddelboot ausgetragene Ruhr-Sportarten sind das Drachenbootrennen und das Kanupolo das fünf gegen fünf gespielt wird. Die Spieler sitzen dabei in wendigen Einerkajaks. Statt Ruder oder Paddel kann man aber auch den Wind nutzen, um sich auf dem Fluss oder See fortzubewegen, wie es die Segler tun. Segeln ist eines der ältesten Wassersportarten und ebenfalls mit vielen Vereinen an der Ruhr vertreten. In Essen, heißt es, würden sogar mehr Kinder an diesen Sport herangeführt als in der „Sailing City“ Kiel.

Aber nicht nur im Boot, sondern auch auf dem Surfbrett kann man im Ruhrgebiet Wassersport betreiben. Sei es als Windsurfer oder beim Stand Up Paddling, bei dem man sich auf dem Brett stehend mit dem Stechpaddel fortbewegt. Auf Hawaii, wo das Surfen erfunden wurde, war dieser Sport dem König und einigen Auserwählten vorbehalten.

Doch das Stand Up Paddling ist nicht die einzige Sportart, die auf einem Fluss wie der Ruhr kurios erscheinen mag. Sogar Taucher sind bisweilen dort unterwegs.

Ungewöhnliche Sportarten gehören also durchaus zum Repertoire der Ruhr. Nicht vertreten ist am Fluss und seinen Stauseen dagegen eine ganz klassische Gruppe von Wassersportlern: die Schwimmer. Im Unterschied zu Ruderern, Seglern oder Surfern bewegen sie sich nicht nur auf, sondern im Wasser. Nach aktueller Rechtslage dürfen sie deshalb in der Ruhr ihr Freizeitvergnügen nicht ausüben. Welche Herausforderungen das Schwimmen im Fluss aus hygienischer Sicht mit sich bringt, verdeutlichen die Zwischenergebnisse des Projekts Sichere Ruhr.

Wie aus Ruhrwasser Trinkwasser wird – die Trinkwasseraufbereitung

Foto: Frank Vincentz.

Damit wir Wasser aus der Leitung im Alltag verwenden können, muss es zuvor für den menschlichen Gebrauch aufbereitet werden. Schließlich soll es bedenkenlos getrunken werden können.

Diese Trinkwasseraufbereitung ist ein komplizierter Vorgang, den wir einmal genauer unter die Lupe nehmen wollen. Wie schwierig es ist, Trinkwasser zu gewinnen, hängt natürlich zuerst von der Qualität des Rohwassers ab, das man dafür heranzieht. Im Ruhrgebiet ist es meist das Wasser aus dem Fluss, also aus der Ruhr, das dafür verwendet wird. So wird etwa in Essen das Uferfiltrat des Flusses zur Trinkwassergewinnung genutzt. Die Ruhr gilt zwar heute wieder als sauberer Fluss, aber um den strengen deutschen Vorgaben an Trinkwasser zu genügen, sind einige Arbeitsschritte notwendig, bis aus dem Ruhrwasser schließlich Trinkwasser werden kann.

Grundsätzlich gilt dabei, dass mit dem Verlauf des Flusses von seiner Quelle bis zur Mündung durch den menschlichen Einfluss auch die Gewässerbelastung zunimmt – und somit auch der Aufwand für die Aufbereitung des Wassers. Rein natürliche oder naturnahe Aufbereitungsmethoden reichen bei stärkerer Belastung nicht mehr aus, sondern müssen durch komplexere Verfahren und Verfahrenskombinationen ergänzt werden.

Dabei kommen physikalische, chemische und biologische Wirkungsmechanismen zum Einsatz. Im Wesentlichen kann man die Behandlung des Wassers dabei in zwei Teile gliedern: Die Entfernung von Stoffen, die im Trinkwasser unerwünscht sind – beispielsweise durch eine Enteisenung oder Entsalzung des Wassers. Und die Ergänzung von Stoffen, die im Trinkwasser vorkommen sollen beziehungsweise die „Einstellung“ des Wassers auf die gewünschten Eigenschaften für Trinkwasser – hierunter fällt etwa eine gezielte Veränderung des pH-Wertes.

In Deutschland muss zunächst das Umweltbundesamt die verschiedenen Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren genehmigen, bevor eine Trinkwassergewinnung erfolgen kann. Typische solche Verfahren sind die Wasseraufbereitung durch Zufuhr von Luft (unter anderem zum Austreiben von Kohlendioxid aus dem Wasser und zur chemischen Aufbereitung von unerwünschtem Eisen) sowie das Durchlaufen verschiedener Filter. Dazu gehört in der Regel die sogenannte Juraperle, ein kalziumkarbonhaltiges Filtermaterial, das die vorher aufbereiteten Eisenflocken herausfiltern und den Härtegrad des Wassers beeinflussen kann. Bei stärkerer Belastung des Wassers kann ein Aktivkohlefilter hinzukommen, der hilft Schwermetalle und giftige Chemikalien zu entfernen. Eine gut veranschaulichte Darstellung dieser Verfahren bietet das virtuelle Wasserwerk, das die Trinkwasseraufbereitung in Form einer interaktiven Grafik erklärt.

An der Ruhr werden verschiedene Ressourcen für das Trinkwasser herangezogen – je nach Einzelfall gehören Grundwasser, Uferfiltrat des Flusses und Regenwasser dazu. Da die natürliche Selbsterneuerung dieses Wassers jedoch heute durch die Verschmutzung von Luft und Böden empfindlich gestört ist, sind teilweise aufwendige Verfahrensschritte notwendig, um Trinkwasser daraus zu gewinnen.

Hauptsächlich geschieht die Aufbereitung an der Ruhr durch die Methode der sogenannten Grundwasseranreicherung. Dabei wird das Oberflächenwasser direkt aus dem Fluss entnommen und in Versickerungsbecken geleitet, wo sich unerwünschte Stoffe absetzen sollen. Zum Einsatz kommt dann nach einer Belüftung die Langsamsandfiltration des Wassers. Die Langsamsandfilter halten Verunreinigungen an der Oberfläche zurück oder bauen sie in mikrobiologischen Reaktionen ab. Häufig genügt dies jedoch noch nicht, um die gesetzlichen Anforderungen an Trinkwasser zu erreichen, die vorschreiben, dass es kühl, klar, geruchslos, geschmacksneutral und frei von Schadstoffen sein muss. Um das zu erreichen, sind dann Verfahrenskombinationen nötig, bei denen weitere Aufbereitungsmethoden zum Einsatz kommen, beispielsweise eine Ozonbehandlung zur Beseitigung von Keimen oder die Zugabe einer Lösung zur Algenbekämpfung.

Wie komplex die Wasseraufbereitung so letztlich werden kann, zeigt diese Broschüre für das Beispiel der Stadt Essen. Damit der Aufwand bei der Aufbereitung nicht zu groß wird, macht es Sinn Schadstoffeinträge in das Wasser möglichst schon im Voraus zu vermeiden. Ein Punkt an dem jeder mithelfen kann, damit wir sauberes Wasser zum Trinken haben.

Projektpartner: IHPH – Mit Landkarte und Leuchtmittel gegen Parasiten

Foto: Rania Lahdo, Sichere Ruhr.

In einem kleinen Häuschen im Grünen steht Stephan Luther und pinnt eine Karte an die Wand. „Ich hab da so einen Tick, wahrscheinlich von Berufs wegen – immer wenn es irgendwo eine Karte gibt, dann muss ich die mitnehmen.“ Diese hier kennt der Geograph an der Universität Bonn allerdings sehr gut. Es ist die Badegewässerkarte für Nordrhein-Westfalen.

Stephan Luther arbeitet für das Projekt Sichere Ruhr. Das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit IHPH, an dem er zusammen mit fünf anderen Wissenschaftlern für das Projekt forscht, liegt umgeben von Bäumen auf dem Venusberg oberhalb der Bonner Innenstadt. Stephan Luthers Büro ist im ehemaligen Wohnhäuschen des Institutsgründers untergebracht. Im Garten vor seinem großen Fenster sieht man ein Eichhörnchen von Ast zu Ast springen, von der Mensa nebenan kann man das Stadtzentrum überblicken. Ein schöner Arbeitsplatz für einen Geographen. Aber was macht ein Geograph überhaupt an einem Institut für Hygiene?

„Wir sind medizinische Geographen“, meint Luthers Kollege Christian Timm. Am Computer öffnet er noch eine zweite Karte, um zu erklären, was das bedeutet. Es ist eine grafische Darstellung der Ruhr. Christian Timm legt nach und nach weitere Ebenen mit Informationen über die Landschaft. „Hier sieht man jetzt die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die an den Fluss angrenzen.“ Für einen medizinischen Geographen ist daran interessant: Man sieht auf den ersten Blick, von wo aus Düngemittel in den Fluss gelangen könnten – eine mögliche Quelle für Verunreinigungen des Ruhrwassers, die Christian Timm so einfach anhand seiner Karte eingrenzen kann. Dieselbe Ansicht mit den Agrarflächen kann ihm auch einen ersten Hinweis zum Auffinden der Krankheitserreger aus der Tierzucht geben, die im Fluss landen. Und um zu schauen, an welchen Stellen Schadstoffe aus der Industrie der Ruhr Probleme bereiten könnten, ergänzt Christian Timm die Karte einfach um die Darstellung der Industriegebiete.

Karten sind aber nicht die einzigen Hilfsmittel, mit denen Christian Timm und Stephan Luther arbeiten. Denn von ihren Kollegen im Projekt Sichere Ruhr – etwa an den Instituten in Mülheim und Bochum werden die Bonner Geographen mit Daten aus Untersuchungen des Ruhrwassers versorgt. Auch im Bonner Projektteam, das der Mediziner und Geograph Professor Thomas Kistemann leitet, sind ihre Kollegen damit beschäftigt Wasserproben auszuwerten. Biologin Uta Gayer, die biologisch-technische Assistentin Regina Brang-Lamprecht und der Bonner Laborleiter Christoph Koch analysieren das Wasser aus der Ruhr auf seinen Gehalt an Parasiten und Coliphagen hin. Dafür bedarf es guter Vorbereitung und zahlreicher Arbeitsschritte: das Ausspülen der Probenfilter, Konzentrieren der Probe durch Zentrifugation, Isolierung der Parasiten und Einfärben der gesuchten Bestandteile in den Proben mit fluoreszierenden Farbstoffen. Für Uta Gayer sind es so etwa sechs Stunden Vorarbeit, bis sie das kleine Tröpfchen unter dem Mikroskop hat, das sie gerade untersucht. Sie sucht darin nach Giardien und Cryptosporidien, Parasiten, die beim Menschen Durchfallerkrankungen auslösen können. Deren Strukturen sind allerdings nur schwer eindeutig zu erkennen. Hierfür ist ein geschultes Auge nötig. Um die Giardien aufzuspüren, verbringt Uta Gayer viele Stunden im abgedunkelten Labor. Das einzige, was dann leuchtet, sind die Membranen der eingefärbten Parasiten unter dem Mikroskop.

Ähnlich umfassend wie die Biologin – als Aufgabe von A bis Z – betrachten auch Christian Timm und Stepahn Luther ihre Arbeit im Projekt Sichere Ruhr. Die Geographen hoffen, dass ihre Forschungsergebnisse aus drei Jahren Projektarbeit auch danach noch Wirkung entfalten werden – am besten auf die praktische Ausgestaltung von Bademöglichkeiten genauso wie auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Flussbaden. „Schön wäre es, wenn man das Flussbaden dann rechtlich mal genauer fassen könnte“, meint Christian Timm. „Weil die Voraussetzungen bei einem Fluss eben andere sind als bei einem See oder Meer, sollte man auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen daran anpassen und einen rechtlich einwandfreien Raum zum Baden ermöglichen. Zum Beispiel so, dass auch ein temporäres Badeverbot möglich würde, das dann nicht gleich bedeutet, dass man ein Gewässer ganz von der Liste der Badegewässer streicht.“ Der Geograph spielt damit auf ein wichtiges Zwischenergebnis des Forschungsprojektes an: Dass es immer wieder Phasen gibt, in denen die Qualität des Ruhrwassers nicht zum Baden ausreicht – insbesondere nach Starkregen im Sommer – und andere Perioden, in denen das Baden aus hygienischer Sicht durchaus möglich wäre, weil die Wasserqualität des Flusses dann gut ist.

Auch Stephan Luther ist wichtig, dass man Konsequenzen aus den wissenschaftlichen Analysen zieht. „Dass man schaut: Was kann man tun, um die Wasserqualität zu verbessern, was, um die Sicherheit beim Baden zu gewährleisten – und dann eine konsequente Problembekämpfung unternimmt.“ Dafür haben sich die Bonner bemüht, ihre Arbeit für das Projekt gleich zu Beginn auf eine solide wissenschaftliche Basis zu stellen. Sie haben eine Datenbank erstellt, die es ermöglicht, wissenschaftliche Artikel zum Thema gesundheitliche Gefährdungen beim Flussbaden zu finden – „als Grundstein für das Projekt und am besten auch darüber hinaus“, sagt Stephan Luther. „Wir haben dafür 40.000 Artikel gesammelt“, berichtet der Geograph, „sie sortiert, herausgefiltert, was mit Oberflächengewässern zu tun hat und gemeinsam mit den Projektpartnern geschaut, was für das Flussbaden relevant ist – jeder Partner mit seiner Expertise.“ Darüber hinaus haben die Bonner Experteninterviews geführt, um die unterschiedlichen Perspektiven derjenigen zu ergründen, die über das Baden in der Ruhr mitentscheiden – Interviews mit Vertretern aus Behörden wie dem Umweltbundesamt, aus der Politik, der Wirtschaft und Umweltverbänden. Diese Befragungen ergänzen sich aber erst mit der Bevölkerungsumfrage, die das IWW in Mülheim im Rahmen des Projekts durchgeführt hat zu einem umfassenden Meinungsbild. Christian Timm betont deshalb, dass man immer auch die Einbindung der Bevölkerung im Auge haben und diese über die Forschungsergebnisse informieren müsse.

Im Moment arbeiten er und Stephan Luther an der Risikobewertung des Ruhrbadens. Dabei haben sie, auf Basis der Messungen aus dem Projekt, eine Erkrankungswahrscheinlichkeit für Badende errechnet – für jeden Tag der Badesaison, die in Nordrhein-Westfalen vom 15. Mai bis 15. September dauert. Mithilfe des so genannten DALY-Maßes (Disease Adjusted Life Years) wollen die Forscher es erleichtern zu beurteilen, wie hoch das Risiko des Badens im Fluss ist und wie erfolgreich verschiedene Gegenmaßnahmen es verringern können. Die Weltgesundheitsorganisation verwendet so ein DALY-Maß etwa für die Einschätzung von Trinkwasser. Aber Stephan Luther zufolge ist es auch für Badegewässer zu gebrauchen: „Wir nutzen das DALY-Maß, um die Auswirkungen einer Erkrankung, die durch das Ruhrbaden entsteht, in Zahlen fassen zu können“, erklärt er. Christian Timm ergänzt: „Man kann so die Gefahr des Schwimmens in einem Fluss mit anderen Gefahren vergleichen – zum Beispiel mit Autounfällen.“

Würde er denn selbst hineinspringen in die Ruhr, nachdem er diese Vergleichswerte kennt? „Ja, klar“, sagt der 41-jährige Vater. „Ich weiß aber nicht, ob ich auch mit meinen Kindern dort am Strand planschen würde.“ Auch Stephan Luther würde in der Ruhr baden gehen, obwohl er eigentlich das Meer vorzieht. „Aber ich würde es jetzt überlegter tun als vor dem Projekt“, ergänzt er. „Zum Beispiel würde ich vorher kurz nachdenken – hat es eigentlich in den letzten drei Tagen geregnet?“ Als Wissenschaftler betrachten die beiden es eben gerne differenziert.