Monthly Archives: Mai 2014

Frühjahrsputz im Fluss – Die Aktion Ruhrputzen

Foto: Ran Yaniv Hartstein

Vor gar nicht allzu langer Zeit sorgte eine Studie der Universität in Wien für Aufsehen. Der Grund: Das Ergebnis der Studie zeigte – etwas drastisch ausgedrückt –, dass sich in der Donau mehr Plastikpartikel als Fische tummeln. Dabei ging es dem Forscher Aaron Lechner und seinem Team ursprünglich gar nicht um Plastikmüll im Fluss sondern um die Verbreitung von Fischlarven. Im Rahmen der Studie wurde der Uferbereich der Donau mit Hilfe von großen Netzen untersucht. “Die Ergebnisse haben uns sehr überrascht”, so Forscher Aaron Lechner, denn sie brachten ein ganz anderes Ergebnis zu Tage als erwartet: An einigen Stellen im Fluss zählten die Forscher nämlich mehr Plastikteile als Fischlarven. Schätzungen zu Folge befinden sich in 1.000 Kubikmeter Donauwasser durchschnittlich 275 Fischlarven und 317 Plastikpartikel.

Den Forschern nach besteht der Plastikmüll im Fluss zu 80 Prozent aus industriellem Rohmaterial, sprich aus kleinen Kügelchen, Flocken oder Pellets aus Kunststoff, die selbst von den Kläranlagen nicht aus dem Wasser gefiltert werden können. Neben dem Umweltproblem, dass diese Tatsache in sich birgt, gibt es noch ein weiteres Problem mit dem Plastik im Fluss: Die kleinen Plastikteilchen werden von Fischen mit Nahrung verwechselt. Haben die Fische die Partikel erst einmal aufgenommen, gelangt das Plastik auf diesem indirekten Weg auch in die menschliche Nahrungskette.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Donau mit diesem Zustand keine Ausnahme darstellt. Vielmehr besteht die Vermutung, dass die Ergebnisse der Studie auch auf andere Flüsse zutreffen: “Die Vermutung liegt natürlich sehr nahe, dass es sich dabei um ein globales Problem handelt”, sagt Wissenschaftler Aaron Lechner, Mitverfasser der Wiener Studie.

Tatsächlich ist bekannt, dass Vermüllung besonders für Flüsse, die durch dichtbesiedelte Gebiete fließen, ein typisches Problem ist. Denn: wo viele Menschen leben entsteht auch viel Abfall. Zwar gibt es in vielen Teilen der Welt heutzutage gut funktionierende Entsorgungssysteme, doch die Kontrolle über eine sachgemäße Entsorgung von Müll und Hausrat ist nicht lückenlos möglich. Das hohe Aufkommen von Müll ist daher in vielen Flüssen weltweit zu einem ernstzunehmenden Umweltproblem geworden. Welche Ausmaße das teilweise annehmen kann, zeigt diese eindrucksvolle Video über den Muhua Fluss in China. Auch in Indien setzt langsam ein Prozess des Flusssterbens ein, der durch die starke Vermüllung hervorgerufen wird.

Solche Extreme sind in Deutschland glücklicherweise unbekannt. Aber auch hierzulande haben Bürger, Behörden und Umweltinitiativen mit dem Abfall in Gewässern zu kämpfen. In München an der Isar zum Beispiel. Um den Problemen entgegen zu wirken gibt es zahlreiche Aktionen und Initiativen. An der Isar haben sich beispielsweise Schüler mit der Aktion „Deine Isar“ für den Schutz des Flusses stark gemacht und massenweise Müll am Ufer des Flusses gesammelt.

Doch nicht nur im Süden der Bundesrepublik ist die Verschmutzung der Flüsse ein bekanntes Problem. Als Fluss, der eine Metropolregion durchquert, in der Millionen Menschen leben, treffen eben diese Probleme auch auf die Ruhr zu. Doch dankenswerter Weise gibt es auch hier engagierte Bürger, die sich den Problemen stellen und dagegen ankämpfen. Eine dieser Aktionen ist die Initiative „Ruhrputzen“, die vor drei Jahren von Tauchern der Tauchschule Dive In ins Leben gerufen wurde. In diesem Jahr findet das Event am 5. Juli statt. Die Taucher haben zu diesem Zweck bereits einen großen Schuttcontainer organisiert, der sich beim Ruhrputzen hoffentlich wieder füllen wird.

Die Idee zur Aktion Ruhrputzen kam dem Initiator Holger Cremer beim Tauchen. Denn immer wieder ist er bei seinen zahlreichen Tauchgängen in der Ruhr auf Unrat gestoßen – darunter zum Beispiel Verpackungen, Autoreifen oder Fahrräder – sogar Elektroschrott, wie Kühlschränke oder Handys, rostet auf dem Grund der Ruhr vor sich hin.

Die engagierten Taucher haben nun dem Müll unter Wasser den Kampf angesagt: Am 5. Juni 2014 treffen sie sich um 9:00 Uhr in Essen-Steele am Bootshaus Ruhreck zum Ruhrputzen 2.1, um die Ruhr gemeinsam auf einem Längenabschnitt von 400 Metern zu entrümpeln – und zwar über und unter Wasser. Initiator Holger Cremer ermutigt dabei jeden Interessierten dabei zu sein: „Im Prinzip kann jeder Taucher mit Süßwassererfahrung mitmachen. Aber auch jeder Helfer, der nicht selbst tauchen kann, ist willkommen – im Uferbereich liegt nämlich auch genug Müll rum.“

Die Aktion Ruhrputzen findet inzwischen bereits zum dritten Mal statt und ist dabei, sich zum jährlich stattfindenden Event zu entwickeln. Die Erfolge sind bislang jedes Jahr sichtbar gewesen, die schwarzen Müllsäcke der Taucher, wie auch der Container sind am Ende des Tages immer gut gefüllt mit Müll und Unrat. Daher berichtet Holger Cremer stolz: „2011 waren wir mit der Aktion für den Umweltpreis der Stadt Essen nominiert.“

Holger Cremer hofft also, dass auch bei der dritten Ausgabe des Ruhrputzens wieder viele helfende Hände unter aber auch über Wasser dabei sind. Denn die Aktion dient nicht nur, um das Tauchen angenehmer zu machen. „Unser Ziel ist auch ein bisschen, den Bürgern ins Gedächtnis zu rufen, dass die Flüsse und Bäche keine Papierkörbe sind.“

Sichere-Ruhr-Workshop bringt Ergebnisse – Interessengemeinschaft „Baden in der Ruhr“ will sich gründen

Foto: Rania Lahdo, Sichere Ruhr.

Am 16. und 17. Mai 2014 fand in Essen-Werden im Rahmen des Projekts Sichere Ruhr ein erneuter Workshop zum Thema „Baden in der Ruhr“ statt, an dem jeder Interessierte teilnehmen konnte. Im Regattahaus am Baldeneysee hatten sich bei sonnigem Wetter zahlreiche engagierte Bürger sowie Vertreter verschiedener Organisationen versammelt, um gemeinsam auszuloten, wie eine Bademöglichkeit in Fluss und See im Detail aussehen könnte. Dabei gab es konkrete Ergebnisse.

Der Workshop im Regattahaus war die Fortsetzung einer ersten Zusammenkunft von 2013, bei der sich die Teilnehmer bereits mit den allgemeinen Gegebenheiten des Badens in Fließgewässern vertraut gemacht hatten sowie erste Vorschläge, Wünsche und Anregungen für das Ruhrbaden zusammengetragen hatten. Auch am vergangenen Wochenende begann das Arbeitstreffen mit einer Einarbeitung in die Thematik: Zunächst brachten sich die Anwesenden auf den neuesten Stand der Untersuchungen des Projekts Sichere Ruhr. Das Forschungsprojekt, an dem Wissenschaftler mehrerer Universitäten beteiligt sind, widmet sich seit 2012 der Frage, ob bzw. inwieweit die Ruhr künftig als Badegewässer genutzt werden kann.

Die Workshop-Teilnehmer im Regattahaus informierten sich in Kleingruppen bei den Mitarbeitern des Projekts über die Zwischenergebnisse der Forschung zu den verschiedenen Aspekten des Ruhrbadens. Dies geschah anhand der vier Themeninseln „Hygiene“, „Recht“, „Kosten, Nutzen und Finanzierung“ sowie „Information und Kommunikation“. Nacheinander durchliefen die Kleingruppen diese Themeninseln, wobei die Teilnehmenden bereits rege Fragen stellten und ihre Anmerkungen einbrachten. Darüber hinaus gab es bei einer fünften Themeninsel zu „Prozess und Kooperation“ dann die Gelegenheit, eigene Ideen zur Fortführung des Anliegens Baden in der Ruhr über die Laufzeit des Projekts Sichere Ruhr hinaus einzubringen. Die Themeninseln dienten in erster Linie als Grundlage für die Arbeitsgruppen und die gemeinsame Diskussionsrunde, die tags darauf folgten.

Das Angebot des Workshops zum Mitreden und Mitgestalten wurde von den teilnehmenden Bürgern und Interessenvertretern sehr aktiv genutzt. „Seit 15 Jahren setze ich mich dafür ein, hier wieder baden zu dürfen“, meint eine engagierte Teilnehmerin. „Ich bin froh, dass ich jetzt hier sitzen und mitreden darf.“ Schon beim Durchlaufen der Themeninseln am ersten Workshop-Tag wurden viele Fragen gestellt: „Warum kann man nicht sagen, wir baden auf eigene Gefahr?“, wollte eine Bürgerin wissen und ließ sich an der Themeninsel „Recht“ über die juristischen Voraussetzungen einer Badeerlaubnis informieren. „Wie groß ist denn die Wahrscheinlichkeit, sich in der Ruhr tatsächlich eine Durchfallerkrankung zuzuziehen?“, wollte ein Teilnehmer von den Hygienikern wissen und wurde über die unterschiedlichen Gefahren abhängig vom Zeitpunkt des Badens aufgeklärt. An der Station „Kosten, Nutzen und Finanzierung“ wurde unter anderem die Frage nach der Zahlungsbereitschaft der Bevölkerung für eine Bademöglichkeit im Fluss erörtert, die das Projekt Sichere Ruhr in einer Umfrage erhoben hat. Die Themeninsel „Information und Kommunikation“ beschäftigte man sich etwa mit der Frage, was man eigentlich inhaltlich darunter versteht, wenn eine Ampel grünes Licht fürs Baden gibt – dass es für die eigene Sicherheit bedenkenlos ist dort zu schwimmen oder nur, dass im Moment bestimmte gesetzliche Hygienebedingungen eingehalten werden?

Der Themenschwerpunkt „Prozess und Kooperation“ förderte eine Vielzahl konkreter Überlegungen der Bürger und Interessenvertreter zur Zukunft des Badens in der Ruhr zutage und setzte außerdem Impulse für ein gemeinsames Weitermachen. Dabei war die Atmosphäre insgesamt ausgesprochen konstruktiv. „Kein Zerreden“ lautete die Devise, die seitens der Teilnehmer geäußert wurde. „Nicht bloß ein langes Planverfahren, sondern auch anfangen“ wollte man, gerne in Form eines „Pilotprojekts“. Deutlich wurde außerdem der Wunsch, eine gemeinsame Plattform für den Austausch zum Thema Ruhrbaden zu schaffen. Dabei wurde dafür plädiert, alle relevanten Akteure mit einzubinden, auf Vereinsebene wie auch in den betroffenen Behörden und politischen Gremien, die interessierten Bürger ebenso wie die Experten aus der Wissenschaft.

Am Samstag, dem zweiten Workshop-Tag, sollte diese Vorarbeit in konkrete Ergebnisse münden. Nachdem zunächst im Plenum zusammentragen worden war, was der Vortag an Zwischenergebnissen geliefert hatte, teilte man sich in zwei größere Arbeitsgruppen auf. Dabei legte die erste Gruppe den Fokus auf die nächsten Schritte, die unternommen werden müssten, um den Prozess zur Fortführung des gemeinsamen Anliegens Baden in der Ruhr in Gang zu halten. Die zweite Gruppe setzte sich mit der konkreten Ausgestaltung einer Badestelle auseinander, beispielsweise bezüglich deren Infrastruktur und Kosten.

Zum Abschluss kamen die Workshop-Teilnehmer noch einmal im Plenum zusammen. Dabei wurde festgehalten, wie der weitere Fahrplan für 2014 aussehen soll. Die Teilnehmer planten die nächsten Schritte, um das Projekt nachhaltig weiterzubringen. Zunächst wurde vereinbart, dass in der diesjährigen Badesaison eine Überprüfung der Einhaltung der EU-Badegewässerrichtlinie an drei verschiedenen Standorten stattfinden soll: An zwei Stellen der Ruhr in Essen und an einer Stelle in Mülheim soll so festgestellt werden, ob die Bedingungen für eine Zulassung als EU-Badegewässer in naher Zukunft erfüllt werden können.

Ein weiteres sehr konkretes Ergebnis des Workshops ist das Vorhaben, die Interessengemeinschaft „Baden in der Ruhr“ zu gründen. In die Gemeinschaft sollen verschiedene Akteursgruppen einbezogen werden, die ihre jeweiligen Positionen, Interessen und Perspektiven einbringen können. Neben der Gruppe der Bürger, Vereine und Verbände sollen dabei auch Vertreter der Stadt, Behördenmitarbeiter, Fachexperten, Betreiber und Politiker in der Interessengemeinschaft vertreten sein. Der erste Schritt in Richtung Interessengemeinschaft ist bereits vollzogen, denn einige Teilnehmer des Workshops haben sich schon bereiterklärt aktiv daran mitzuwirken. Nun will man die Gründung voranbringen und eine Sitzung vorbereiten, in der alle Akteure über Pläne und Prozesse zum Ruhrbaden diskutieren können.

Die Projektmitarbeiter von Sichere Ruhr verstehen sich als Teil dieser Idee zu einer Interessengemeinschaft und möchten ihre Expertise einbringen, damit das Baden in der Ruhr auch über die Projektlaufzeit hinaus als Thema verfolgt wird. Deshalb wollen sie für die Interessengemeinschaft Informationen recherchieren und aufbereiten, damit Aussagen darüber gemacht werden können, welche Kosten in naher Zukunft anfallen würden. Dabei geht es sowohl um eine konkrete Bezifferung der Kosten für die Einrichtung einer Badestelle als auch um eine Abschätzung der Kosten für eine Anhebung der Wasserqualität.

Ein Fahrplan für 2014, die Initiative für eine Kostenabschätzung  und neue Wasseruntersuchungen an möglichen Badestellen und schließlich eine neue Interessengemeinschaft – es lässt sich  sagen, dass die Teilnehmer am Workshop „Baden in der Ruhr“ konkrete Ergebnisse hervorgebracht haben.

 

 

 

 

 

 

Flusstauchen – Abenteuer auf dem Grund der Ruhr

Foto: University of Southern Denmark, Maritime Archaeology Programme

Dass man auf der Ruhr wunderbar Kanu fahren kann, fällt einem als Spaziergänger am Ufer schnell auf. Auch Angler trifft man dort nicht selten an. Der Fluss hält in der Tat eine ganze Reihe von Freizeitaktivitäten bereit. Aber Tauchen? Das ist nun wirklich kein Sport für einen Fluss in Nordrhein-Westfalen. Oder doch?

Viele Taucher reizt an Flüssen die Strömung, die sie quasi ohne eigenes Zutun an wechselnden Unterwasserwelten vorüberträgt. Für sonnigere Klimazonen kann man sich gut vorstellen, wie die bunten Fische dabei wie ein Film an einem vorbeiziehen. Aber wenn man über Tauchen in einem hiesigen Fluss spricht, drängt sich der Gedanke an kaltes, trübes Wasser irgendwie auf. Und er ist auch nicht unbedingt falsch. Was das Tauchen in der Ruhr reizvoll macht, sind andere Dinge wie etwa Entdeckungslust und die Neugier auf die Geschichten, die die verborgene Unterwasserwelt vor der eigenen Haustür zu erzählen hat. Außerdem die sportliche Herausforderung.

Holger Cremer von der Essener Tauchschule „Dive in“ meint dementsprechend: „Wer in der Ruhr taucht, macht das schon, um Action zu erleben.“ Denn Unwägbarkeiten zu überwinden gibt es dabei einige. Nicht nur mit einer 30 Kilogramm schweren Tauchausrüstung die richtige Einstiegsstelle anzupeilen. Die Sicht unter Wasser kann bereits nach wenigen Metern Entfernung schwierig werden. Algen und Schwebeteilchen machen das Wasser trüb und ein Mangel an markanten Punkten erschwert die Orientierung zusätzlich. Auch die Wassertemperatur ist nicht unbedingt warm, sondern macht einen etwas dickeren Neoprenanzug ratsam, damit man nicht auskühlt. Hinzu kommt die Strömung, die genau wie Temperatur und Sicht von den Witterungsbedingungen abhängt – bei Regen etwa nimmt sie zu. „Das Tauchen im Fluss ist nicht unbedingt für Anfänger geeignet,“ bemerkt Tauchcoach Holger Cremer deshalb.

Allgemein ist davon abzuraten, sich auf eigene Faust ohne erfahrenen Guide zum Tauchen in einen Fluss zu begeben. Bei weniger als fünf Metern Sichtweite besteht dort die Gefahr, dass man Hindernisse zu spät erkennt, wenn die Strömung entsprechend stark ist und man beispielsweise gegen Felsen oder Steine stößt oder sich an Gegenständen verfängt. Ausgewiesene Tauchflüsse werden als Sicherheitsmaßnahme am Grund mit farbigen Bändern markiert oder an der Wasseroberfläche mit einer Leine und Hinweis bespannt – Markierungen die dann nicht überschwommen werden sollten. Die Strömung kann beim Flusstauchen insbesondere nach Regenfällen zur Gefahr werden. Normalerweise sanfte Fließgewässer können sich dabei für den Taucher in echte Sturzfluten verwandeln, die ihn ungewollt mitreißen. Wer allerdings neben den üblichen Spielregeln beim Tauchen die besonderen Bedingungen des Flusstauchens beachtet, kann auch in Flüssen sicher tauchen und dabei manches entdecken.

Neben den Unterwasserbewohnern, die man so aus nächster Nähe betrachten kann, zählen dazu die Funde, die man auf dem Grund eines Flusses machen kann. Oft interessante, manchmal skurrile und gelegentlich auch fragwürdige Gegenstände künden dort wie archäologische Zeugnisse von menschlicher Zivilisation. Die Taucher in diesem Unterwasservideo haben in der Ruhr eine leere Geldkassette und ein Gewehr gefunden. Neben Gewehren birgt der Flussgrund noch andere Überreste des Krieges, weshalb Holger Cremer vor Tauchgängen dort die Warnung ausspricht: „Im Fluss liegt scharfe Munition. Dafür gilt: Nur gucken, nicht anfassen.“

Und auch Müll begegnet einem beim Tauchen in der Ruhr – Handys, Autoreifen, Fahrräder, sogar Fernseher liegen dort bisweilen herum, wie Flusstaucher berichten. Bei einem Gewässer, das sich durch ein so dichtbesiedeltes Gebiet schlängelt wie die Ruhr, bleiben Abfallprobleme leider nicht aus, auch wenn man sich fragt, warum jemand seinen Fernseher ausgerechnet im Fluss entsorgen musste. Auch vielen Tauchern geht solch sorgloser Umgang mit dem Fluss zuweit. Um dem etwas entgegensetzen, nehmen einige der Unterwassersportler deshalb an der Initiative Ruhrputzen teil. Bei der Aktion kann jeder mithelfen den Fluss gemeinsam zu entrümpeln. Nicht nur für Flusstaucher wird die Unterwasserwelt dadurch sicher ein Stück attraktiver.

Mit Bioplastik zu sauberen Meeren und Wäldern?

Foto: F. Kesselring

Jeder kennt das: Beim Spaziergang im idyllischen Grünen stört irgendwie der Müll, den jemand auf dem Boden verteilt hat, weil ihm der nächste Mülleimer anscheinend zu weit weg war. Aber wo heute noch sorglos weggeworfene Flaschen und Tüten das Naturbild trüben, werden solche Verpackungen in Zukunft einfach in ihre natürlichen Bestandteile zerfallen. Das ist jedenfalls die Vision des sogenannten Bioplastiks. Aber ist das auch wirklich so einfach?

Anders als herkömmliches Plastik, das biologisch kaum abbaubar ist und aus Erdöl hergestellt wird, verwendet man für die Produktion sogenannter Biokunststoffe pflanzliche, also nachwachsende Rohstoffe. Das ist möglich, weil der wichtigste chemische Grundstoff bei der Plastikherstellung nicht das Erdöl selbst ist, sondern der darin enthaltene Kohlenstoff. Und den kann man auch aus Pflanzen wie etwa Mais oder Kartoffeln gewinnen. Durch den Einsatz von Bakterien und eine chemische Weiterverarbeitung lassen sich aus den Ackerfrüchten Kunststoffe herstellen, die ähnliche oder sogar dieselben Eigenschaften haben wie das allgegenwärtige Plastik, das aus Erdöl erzeugt wird.

Letzteres benötigt oftmals mehrere hundert Jahre, bis es verrottet, was für die Wälder und besonders die Seen und Meere, in denen es sich ansammelt, immer mehr zum Problem wird. Unter den Bioplastiksorten gibt es neben ähnlich dauerhaften Kunststoffen dagegen solche, die biologisch abbaubar sind, etwa das auf Milchsäure basierende Polyactid, das kompostiert werden kann. Allerdings gilt diese umweltfreundliche Eigenschaft des Bioplastiks bisher oft nur in der Theorie. Weil auch das Bioplastik immer noch einige Zeit länger zum Verrotten benötigt als gewöhnlicher Kompost und damit nicht in den Arbeitszyklus der deutschen Kompostieranlagen hineinpasst, wird es von den Anlagebetreibern oft gar nicht zur Entsorgung angenommen. Die organischen Kunststoffe ähneln dem Erdölplastik aber wiederum nicht genug, um im gelben Sack oder der gelben Tonne richtig aufgehoben zu sein, so dass Bioplastik momentan noch in den Restmüll gehört und dann in der Regel verbrannt wird anstatt zu verrotten. Hier fehlt es schlicht noch an einer sinnvollen Integration des Stoffes in das gegenwärtige Entsorgungssystem, auch weil die hergestellten Mengen an Bioplastikverpackungen bisher nur einen geringen Teil aller Kunsttoffverpackungen ausmachen.

Eine Studie des Umweltbundesamts kam zu dem Schluss, dass Bioplastik in der jetzigen Form noch nicht als umweltfreundlicher angesehen werden kann als herkömmliches Plastik. Zwar sei es weniger klimaschädlich und theoretisch leichter abbaubar, aber durch die landwirtschaftliche Erzeugung der benötigten Mengen pflanzlicher Rohstoffe käme es zu einer verstärkten Belastung von Böden und Gewässern durch Düngemittel. Außer dem Recycling müsse deshalb auch die Herstellung von Kunststoffen wie Bio-Polyethylen, die unter anderem aus Zuckerrohr hergestellt werden, noch weiter verbessert werden, damit sie herkömmlichem Plastik überlegen seien. Eine Möglichkeit dafür könnte sein, dass in Zukunft Pflanzenreste wie etwa Schalen, die bisher nicht verwertet werden, zur Kunststoffproduktion genutzt werden. An solchen Produktionsverfahren wird bereits geforscht, bis dahin sieht das Umweltbundesamt aber in Bioplastik keine überlegene Alternative.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) geht in einer Stellungnahme sogar soweit, grundsätzlich von Bioplastik als Verpackungsmaterial abzuraten. „Biologisch abbaubare Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, sind ein Irrweg“, heißt es dort. Sie förderten „aufgrund der Vorstellung, man könne Plastik einfach wegwerfen, weil es ja doch verrotten würde, die Wegwerfkultur“.

Der Verein Plasticontrol weist ebenfalls kritisch auf die angesprochenen Mängel des Bioplastiks hin, spricht sich aber dennoch für den Einsatz des Materials anstelle von herkömmlichem Plastik aus. Der Grund: Die immense Verschmutzung der Weltmeere mit Kunststoffen aller Art, die in den Ozeanen ganze Inseln aus Plastik entstehen lässt. Dass sie immer weiter anwachsen, glaubt Plasticontrol, könnte durch den Einsatz organischer, abbaubarer Verpackungsmaterialien in Grenzen gehalten werden. Ähnlich argumentiert die Unternehmerin Ute Zimmermann, die sich mit der Firma NaKu der Herstellung sogenannter Naturkunststoffe verschrieben hat: “Wenn unsere Flasche im Meer landet, ist sie wenigstens nach 15 Jahren verrottet.” Also einige hundert Jahre schneller als übliche Kunststoffe auf Erdölbasis.

Optimal klingt das immer noch nicht, denn viele Fische und andere Meeresbewohner würden auch in diesem Fall an den Kunststoffen zugrunde gehen. Übrig bleibt eine inzwischen beinahe altmodisch wirkende Möglichkeit, Plastikmüll zu vermeiden: Mehrwegbehälter. Nur wenn Plastik gar nicht erst tonnenweise ins Wasser gelangt, bleiben die Meere wirklich frei von Kunststoff. So raten auch Umweltverbände zu Netzen und Stofftaschen anstelle von Plastiktüten sowie zu Glasflaschen anstelle von PET-Flaschen. Allerdings sind Flaschen aus Plastik auch um einiges leichter  – und angenehmer zu tragen als ihre Alternative aus Glas. Sind wir deshalb inzwischen vielleicht schon zu bequem geworden für die gute, alte Glasflasche?