Monthly Archives: März 2014

Roter Planet Ruhr – Das MARS-Projekt erforscht unsere Flüsse

Foto: Benjamin Kupilas.

Dass es auf unserem Nachbarplaneten einmal Wasser gegeben hat – und damit früher eine wichtige Grundlage für organisches Leben dort existierte – ist ein bedeutendes Zwischenergebnis, das uns amerikanische Roboterfahrzeuge vom Mars geliefert haben. Auch die Europäer haben inzwischen ihr MARS-Projekt und damit haben sie es ebenfalls aufs Wasser abgesehen. Allerdings erforschen Europas Wissenschaftler den lebensspendenden Stoff nicht auf fernen Gestirnen, sondern etwas bodenständiger – vor der eigenen Haustür, zum Beispiel an der Ruhr.

MARS steht in diesem Fall daher nicht für den Planeten sondern für „Managing Aquatic ecosystems and water Ressources under multiple Stress“ und beschäftigt sich mit der Frage, wie mehrere gleichzeitige Belastungen auf ein Gewässer wirken. Als Belastungen – oder sogenannte „Stressoren“, wie die beteiligten Wissenschaftler sagen – gelten beispielsweise Schadstoffe, die durch Industrie oder Landwirtschaft ins Wasser gelangt sind, aber auch klimatische Extrembedingungen wie Hitzewellen oder der Einfluss, den Wasserkraftanlagen auf die betroffenen Gewässer haben. Diese Stressoren haben gemeinsam, dass sie häufig direkt und negativ auf im Wasser lebende Pflanzen, Fische, Insekten oder Mikroorganismen einwirken.

Die MARS-Studie hat sich nun zum Ziel gemacht, speziell das Zusammenwirken solcher Stressfaktoren zu ergründen, weil diese eben nicht mehr nur einzeln, sondern gerade in Kombination auftreten und unsere Flüsse und Seen gemeinsam belasten. Eine Vielzahl von Instituten auf dem ganzen Kontinent ist an der internationalen Studie beteiligt. Mithilfe europaweit gesammelter Daten und deren Vergleich ergründen die beteiligten Forscher, wie die „multiplen Stressoren“ zusammenwirken, wie sie sich gegenseitig verstärken oder auch abschwächen. Dabei erhoffen die sich die MARS-Forscher auch Erkenntnisse über den Effekt, den mehrere gleichzeitige Belastungen auf die Lebensräume bzw. Ökosysteme der europäischen Flüsse und Seen haben.

Auch die Ruhr ist als einer von 16 europäischen Flüssen Gegenstand der Untersuchungen des MARS-Projekts. „Hier werden die Auswirkungen des Eintrags von Feinsedimenten auf den ökologischen Zustand des Flusses untersucht“, erläutert Professor Daniel Hering vom Institut für Aquatische Ökologie der Universität Duisburg-Essen. „Wir analysieren Daten, um die Frage zu beantworten, welche Stressoren-Kombinationen den derzeitigen Zustand der Ruhr bedingen.“ Ziel sei es dabei, eine Vorhersage zu erstellen, wie sich das Ökosystem Ruhr unter verschiedenen Szenarien entwickelt. Genauere Angaben zum Projekt macht Professor Hering in diesem Video-Interview.

Als mögliche Zukunftsszenarien geht das MARS-Projekt etwa von einem zunehmenden Klimawandel aus oder von einer Veränderung der Landwirtschaft hin zu ökologischen Anbaumethoden. Mithilfe von Simulationen soll vorhergesagt werden, welche Konsequenzen diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen auf den Gewässerlebensraum haben. Dabei geht es dem MARS-Projekt auch darum,  sinnvolle Strategien für den Umgang mit den betroffenen Gewässern zu erarbeiten und so europäische Umweltschutzvorgaben umsetzen zu helfen.

Auf diesem Weg gewinnt das Projekt auch Bedeutung für die Menschen, die an Europas Flüssen und Seen leben, denn diese werden häufig als Quelle für Trinkwasser und Nahrung oder zum Baden genutzt. MARS-Forschung spielt sich also nicht immer weit weg ab, sondern betrifft manchmal auch die Bevölkerung direkt an der Ruhr.

Einsatz für den Wasserschutz – Weltwassertag 2014

Am Samstag ist es wieder soweit. Wie in jedem Jahr steht der Tag ganz unter der Flagge des Wassers  – und das rund um den Globus – denn es ist Weltwassertag. Der Weltwassertag wurde 1993 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und findet seit dem jährlich am 22. März statt. Einmal im Jahr soll mit diesem Tag die Aufmerksamkeit der Menschen auf das kostbare Gut Wasser gelenkt werden. Ein bewussterer Umgang und die Wertschätzung der Ressource sind dabei zwei der Ziele, die sich die Vereinten Nationen von der Einführung dieses Tages erhoffen. Damit sich der Fokus aber jedes Mal ein wenig verändert, wird der Weltwassertag in jedem Jahr durch ein anderes Motto begleitet. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „ Wasser und Energie“.

Zwar scheint es zunächst, als hätten Wasser und Energie keine Gemeinsamkeiten. Bei näherer Betrachtung leuchtet aber ein, dass beide Ressourcen eng miteinander verbunden sind und sogar in gegenseitiger Abhängigkeit zueinander stehen. Denn durch Wasserkraft kann sehr einfach Energie erzeugt werden. 16 Prozent des Stroms, der weltweit durch erneuerbare Energien erzeugt wird, stammt zum Beispiel aus der Wasserkraft.

Doch was ist das Besondere am Weltwassertag – schließlich sollte ein bewusster Umgang mit Wasser jeden Tag gelebt werden? Das Thema Wasser soll an diesem Tag durch eine Vielzahl von Aktionen einen Tag lang ganz besonders in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen und viele Vereine richten jedes Jahr verschiedene Veranstaltungen zu diesem Zweck aus. Durchgeführt werden zum Beispiel öffentliche Vorträge, Debatten, Konzerte, Picknicks, Sportereignisse oder Filmvorführungen, der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Außerdem wird in Deutschland vom Umweltbundesamt der Gewässertyp des Jahres gekürt. Für alle, die jetzt neugierig geworden sind und selbst aktiv werden möchten, bietet das Deutsche Wasser Serviceportal einen Überblick über viele Aktionen die bislang in der Bundesrepublik geplant sind.

Auch in der Metropole Ruhr wird es am Samstag verschiedene Aktionen zum Weltwassertag geben. Die Stadtwerke in Bochum laden beispielsweise zum „Abend des Wassers“ ein. Dort wird eine Aufführung von Melvilles Moby Dick zu sehen sein. Die Stadtwerke Duisburg bieten auf ihrer Website ein kurzes Info-Special zum Thema Wasser und Energie an. Hier können spannende Fakten zum Thema Wasser und Duisburg nachgelesen werden und das nicht nur am 22. März.

Auch andernorts werden Aktionen anlässlich des Weltwassertags unabhängig vom 22. März veranstaltet. Dies zeigt, wie viel Aufmerksamkeit und Engagement das Thema Wasser weltweit erfährt. Einen konkreten Überblick über die verschiedenen Aktionen gibt diese Karte. Hier sind alle größeren Events anlässlich des Weltwassertags verzeichnet, die den Schutz und die Aufmerksamkeit für die Ressource Wasser zum Ziel haben.

Generell gilt „World Water Day is what you make out of it.“ Der Weltwassertag ist demnach als globale Mitmach-Aktion gedacht. Um trotzdem ein Netzwerk zusammenhängender Aktionen zu schaffen, kann jedermann sein Event auf der offiziellen Website des Weltwassertages registrieren. Damit ist Ihr Einsatz für den Schutz des Wasser gefragt!

Bunte Boote, Blaue Ruhr – Start der Kanusaison

Foto: Pascal Bovée, Sichere Ruhr.

Strahlender Himmel, Frühlingstemperaturen und blaues Wasser – die Paddler vom Kajak- und Kanuverein in Essen-Werden haben gute Laune. In Schwimmwesten, das Gesicht mit bunten Schirmmützen gegen die Sonne geschützt, stehen die Kanufahrer auf der Wiese ihres Vereinsgeländes am Baldeneysee. Manche tragen blaue Neoprenhosen und streifen gerade eine Windjacke über, andere haben schon das Paddel in der Hand. Scherzend begrüßen einige den Vereinsvorsitzenden. Nach dem Winter ist es heute endlich wieder so weit: Mit dem Anpaddeln beginnt für die Mitglieder des Rasen- und Wassersportvereins Essen (RAWA) – wie für hunderte andere Vereine in der Region Wupper-Ruhr – offiziell die neue Kanusaison.

Lachend ziehen die Kanuten ihre gelben und roten Boote ins Wasser. „So kann das gern jedes Jahr sein“, sagt Wanderwart Karl Engbring und deutet auf den klaren Himmel. Schon seit seiner Kindheit lebt er an der Ruhr und betreibt hier Wassersport.  Und mit dem Wasser ist er genauso zufrieden wie mit dem Wetter. „Auf eine ganze Paddellänge ist das Wasser hier klar“, sagt er. „Früher sah das im Ruhrgebiet mal anders aus.“

Über die Wasserqualität macht Engbring sich also beim Kanufahren heutzutage keine großen Gedanken mehr. Eine Paddlerin im Neoprenanzug pflichtet ihm da bei. „Das Wasser ist toll! Auf die Temperatur muss man aber schon etwas aufpassen“, sagt sie. „Es ist noch nicht so warm, wenn man da reinfällt und schwimmen möchte, kann man sich bald nicht mehr gut bewegen.“

Die Beachtung der Wassertemperatur ist ähnlich wie das Tragen von Schwimmwesten eine Sicherheitsmaßnahme, auf die sie und ihre Vereinskollegen beim Kanusport achten. Denn auch wenn sich die Essener Kanuten über die hygienische Gewässerqualität des Baldeneysees keine Sorgen machen, spielt die Sicherheit auf dem Wasser in ihrem Sport natürlich eine Rolle.

Der Deutsche Kanu-Verband gibt aus diesem Grund Hinweise zum richtigen Verhalten auf dem Wasser. Dazu gehört beispielsweise, dass der Schiffsverkehr und die Segler beachtet werden müssen. Zum umsichtigen Verhalten beim Kanu- oder Kajakfahren zählt aber ebenso, dass die Sportler sich über mögliche Gefahren wie Wasserstand, Wehre und die Wetterlage informieren, beispielsweise bei der Talsperrenleitzentrale des Ruhrverbands. Dort gibt es eine Online-Gewässerinformation, die den Wasserstand, den Durchfluss und die Fließgeschwindigkeit der Ruhr anzeigt. Denn bei Hochwasser im Kanu zu sitzen, kann gefährlich werden. Deshalb müssen die Kanufahrer den Wasserpegel im Auge behalten. Genauso wie die Fließgeschwindigkeit des Gewässers, auf dem sie unterwegs sind, weil nicht jede Strömung mit dem Paddel so einfach zu beherrschen ist. An manchen Stellen der Ruhr, die Paddler gerne befahren, können sie so mögliche Gefahren erkennen und umgehen.

Hier auf dem Baldeneysee ist die Lage in dieser Hinsicht allerdings vergleichsweise entspannt. Da der See durch ein Stauwehr reguliert wird, besitzt er so gut wie keine Strömung, was das Einteilen der Kräfte beim Kanufahren erleichtert. Und auch der Wasserstand ist hier vom Ruhrpegel unabhängig, so dass Hochwasser nur in Extremfällen zur Gefahr wird. Zusammen mit einer beeindruckenden Aussicht auf die Landschaft sind das am Baldeneysee fast schon ideale Bedingungen für Paddler. Kein Wunder, dass sie sich heute zum Anpaddeln hier tummeln.

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Projektpartner: Ruhrverband – Netzwerke spannen und einen Faden spinnen

Foto: Rania Ladwig, Sichere Ruhr

Knapp tausend Mitarbeiter arbeiten beim Ruhrverband, einem der Partner des Projektes Sichere Ruhr, im Dienste der Ruhr, ihren Nebenflüssen und Seen. Das Wasserwirtschaftsunternehmen bewirtschaftet die Talsperren, reinigt das Abwasser und stellt damit die Wasserversorgung von 4,6 Millionen Menschen im Ballungsraum Ruhrgebiete sicher.

Eine der knapp tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Britta Schönemann. Zusammen mit Professor Norbert Jardin, dem Leiter der Planungsabteilung beim Ruhrverband, arbeitet sie in dem Teilprojekt von Sichere Ruhr, dem Arbeitspaket 5 mit.

Das Realisierungskonzept Ruhr „Baden und Trinkwasser“ steht unter dem Leitgedanken der Einbindung der Öffentlichkeit zur Gestaltung des gewässerpolitischen Prozesses zum Baden in der Ruhr. In diesem Projekt wird neben professionell moderierten Stakeholder-Workshops eine ökonomische Kosten-Nutzenbewertung des Badekonzeptes umgesetzt. Zum Ende des Projekts in 2014 soll dann ein zusammenführendes Dokument, der Handlungsleitfaden zum Flussbaden entstehen. Dieser stellt ein zentrales Ergebnis des Projekts Sichere Ruhr dar.

Frau Schönemanns zentrale Aufgabe im Projekt besteht derzeit in der Vorbereitung des nächsten Stakeholder-Workshops zur Umsetzung eines ausgewählten Badeszenarios. Dazu waren und sind einige Vorarbeiten notwendig. So auch die Abfrage nach der Zahlungsbereitschaft und die Auswahl eines Präferenzszenarios mittels der telefonischen Bevölkerungsumfrage in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern IWW, UDE-SOZ und UDE-KOM. Diese Ergebnis benötigt der Ruhrverband später als Grundlage für die ökonomische Bewertung eines Badekonzepts für die Ruhr.

Eine weitere Aufgabe, in die Professor Jardin und Frau Schönemann viel Arbeit investieren, besteht im Spinnen eines Fadens – des Handlungsleitfadens zum Flussbaden in der Ruhr. Der stetige Kontakt mit den Projektpartnern ist hierfür von großer Bedeutung. Denn die Ergebnisse aller vorangegangenen Arbeiten der Partner sollen in den Leitfaden einfließen. Dabei ist es wichtig, dass der Ruhrverband keinen der Partner aus den Augen verliert und so den Überblick über alle erledigten Arbeitsschritte behält – eine Herausforderung. Frau Schönemann sieht den Auftrag daher darin, nicht nur den Fokus auf den eigenen Aufgaben zu halten, sondern immer wieder den Blick über den Tellerrand zu suchen und die Erkenntnisse aller Partner zu beachten. Um diese Herausforderung zu meistern, steht die ökologische Ökonomin in regelmäßigem Kontakt mit den Partnern und leistet ganze Vernetzungsarbeit für den Ruhrverband.

Für den Ruhrverband – als Manager der Ruhr – war das Projekt natürlich sehr wichtig. Zusammen mit dem IWW entwarf der Verband das Konzept und übernahm eine der zentralen Rollen des Projektes.

Professor Jardin, der bereits seit vielen Jahren beim Ruhrverband tätig ist, reizt an dem Projekt besonders das Potential der Ruhr für die Badenutzung einer umfassenden und kritischen naturwissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen und neue Wege der Beteiligung der Bevölkerung und der Stakeholder an wasserwirtschaftlichen Maßnahmen und Prozessen zu beschreiten.

Doch er alleine konnte die Aufgaben des Ruhrverbandes beim Projekt Sichere Ruhr nicht stemmen und holte Britta Schönemann mit an Bord. Für sie war gleich klar, dass diese Stelle das Richtige ist. Denn in ihrem Studium hat sie sich für den Schwerpunkt Wasserökonomie entschieden – so erfüllt ihr heutiger Job die fachlichen Anforderungen, die sie sich gewünscht hat. Und auch auf privater Ebene kann sie sich besonders für das Projekt begeistern, nicht zuletzt weil sie sich als gebürtige Bochumerin seit jeher mit der Ruhr verbunden fühlt und den Freizeit- und Erholungswert der die Ruhr umgebenden Landschaft sehr schätzt.

Den Gewinn für die Region – sollte das Baden in der Ruhr in Zukunft möglich werden – sehen die Beiden ganz klar in einer Steigerung der Lebensqualität der Bürger und Bürgerinnen. Und im Imagewandel der Region; denn die Ruhr als sauberes Badegewässer würde verdeutlichen, dass die industriellen Belastungen zurückgegangen sind und das strukturelle Veränderungen die Region gewandelt haben.

Auf die Frage nach ihrem persönlichen Wunsch für die Badezukunft der Ruhr antwortete sie, dass sie sich wünschen würde, dass das Potential der Ruhr für eine mögliche Badenutzung erschlossen werden kann. Allerdings weisen Sie auch immer mit Nachdruck darauf hin, dass der Fluss Ruhr in einer der dicht besiedelsten Region Europas wohl nie Schwimmbadqualität haben wird und daher beim Baden immer Restrisiken bestehen werden. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die hygienische Wasserqualität, sondern ebenso in Bezug auf natürliche Gefahren wie Stromschnellen, Verwirbelungen und dergleichen. Für sie ist klar, dass ein Bad in der Ruhr immer in Eigenverantwortung geschehen muss. Daher würde sich Frau Schönemann auch die Zugänglichkeit von wichtigen Informationen wünschen, damit jedermann in der Lage wäre, die Risiken eigenständig einschätzen zu können.

Der Wunsch des Ruhrverbandes für die Zukunft der Ruhr ist ganz klar ein gewissenhafter Umgang der Menschen mit ihrem Fluss – ob Badeverbot oder nicht. Denn nur wenn die Bürgerinnen und Bürger mit der Ruhr verantwortlich umgehen, ist überhaupt eine Badezukunft denkbar.

Ob die Naturliebhaberin an einem heißen Sommertag selber einen Sprung in die Ruhr riskieren würde? Sobald das offizielle Badeverbot fallen würde, stünde einer Erfrischung im Großstadtfluss nichts im Wege.