Monthly Archives: Oktober 2013

Wasser als Ware? Die Privatisierung eines gemeinsamen Guts

Foto: Gaz Haywood

Im Dezember des vergangenen Jahres berichtete das WDR-Magazin Monitor über das Vorhaben der EU, eine Richtlinie zu verabschieden, die die Vergabe von öffentlichen Aufträgen europaweit einheitlich regelt. Dienstleistungen sollten danach öffentlich ausgeschrieben werden, was eine Liberalisierung des Marktes und eine Öffnung für private Anbieter zur Folge hätte. Bereiche wie Energie und Wärme aber auch Wasserversorgung und Abwasserwirtschaft sollten davon betroffen sein. Der Bericht sorgte für Aufsehen, denn Journalisten, Bürgerrechtler und Gegner befürchteten eine Privatisierung der Wasserversorgung, die versteckt in dieser Richtlinie eingeführt werden sollte.

Gegner des Vorhabens warfen der EU vor, die Privatisierung des Wassersektors heimlich durch die Hintertür einzuführen. Denn die geplante Konzessionsrichtlinie thematisierte nur am Rande die Liberalisierung des Wassermarktes. Die EU wehrte sich heftig gegen diese Vorwürfe und erklärte, dass lediglich das Vergaberecht von Aufträgen in der EU modernisiert werden sollte und eine Privatisierung der Wasserversorgung keineswegs das Ziel sei. Stattdessen sollte der Wettbewerb zwischen Unternehmen gefördert und Chancengleichheit gewährleistet werden. Die Öffnung des Marktes hätte eine belebte Konkurrenz zur Folge und würde dadurch bessere und günstigere Produkte sowie mehr Konsum und Wachstum bedingen. Dies alles könnte sich wiederum positiv auf die Beschäftigungsrate ausüben. Befürworter aus der Wirtschaft erklärten, dass Wasser eine Ware sei, wie jedes andere Lebensmittel auch und daher nicht staatlich kontrolliert werden dürfte.

Bisher gehören die Wasserwerke traditionell den Kommunen, die sich durch Beiträge der Bürger finanzieren und nicht dem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind. Die Einnahmen werden zur Deckung der Kosten verwendet und in den Erhalt der Systeme investiert. Die Wasserqualität des deutschen Wassers hat sich wiederholt als gut bei gleichzeitig günstigem Preis herausgestellt. Private Unternehmen streben im Gegensatz zu Kommunen Gewinne an und müssen sich der Konkurrenz auf dem Markt stellen. Die Gegner einer Privatisierung fürchten daher Preissteigerungen und Qualitätsverluste. So hat beispielsweise in Frankreich eine Teilprivatisierung des Wassermarktes statt gefunden, die zu steigenden Preisen bei sinkender Qualität geführt hat. Derzeit sind die französischen Kommunen darum bemüht, die Wasserwerke nach und nach wieder in die staatliche Hand zu nehmen.

Aktivisten gründeten die Bürgerinitiative right2water, um gemeinsam gegen die Privatisierung der Wasserversorgung vorzugehen. Die erste Bürgerinitiative auf europäischer Ebene war geboren. Knapp 1,9 Millionen EU-Bürger unterschrieben die Petition, die forderte, das Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung in einer europäischen Gesetzgebung zu verankern. Im September dieses Jahres wurde die Aktion abgeschlossen, die Unterschriften geprüft und an die Europäische Kommission weiter geleitet. Die erste europäische Bürgerinitiative hat Wirkung gezeigt: Der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier sorgte dafür, dass die Wasserversorgung aus der Konzessionsrichtlinie gestrichen wurde.

Doch die Frage bleibt: Ist Wasser eine Ware, die an den Meistbietenden veräußert werden kann? Oder gibt es einen Unterschied zu Gütern wie Brot, Land oder Öl?

Herbstsonne tanken beim Enten füttern

Foto: Klearchos Kapoutsis

Der Sommer ist vorbei, unaufhaltsam nähert sich der Winter, die Vorfreude auf die Weihnachtszeit steigt – doch bevor es soweit ist, erwartet uns ein zwischenzeitliches Rendezvous mit dem Herbst. Er besticht mit heißem Tee im gemütlichen Wohnzimmer an verregneten Sonntagen. Oder mit ausgedehnten Spaziergängen an kalten Novembertagen, an denen wir die letzten Sonnenstrahlen tanken. Kastanien sammeln, dem bunten Schauspiel der Blätter zuschauen und Enten füttern, im Herbst geht es bei gutem Wetter raus in die Natur. Im Ruhrgebiet eignen sich hierfür besonders der Kemnader See oder der Baldeneysee.

Das Besondere an Seen, Flüssen und Weihern ist die Vielfalt an Tieren, die man beim Schlendern am Ufer beobachten kann. Ein großer Spaß für Kinder ist dabei das Füttern von Enten und Schwänen, die sich gerne dort tummeln, wo es Brot und Körner zu picken gibt. Ein Spaß, der jedoch für die Tiere und die Umwelt nicht ganz ohne Folgen bleibt. Denn was viele Spaziergänger nicht wissen: Das Füttern von Wasservögeln richtet eigentlich mehr Schaden an, als es nützt. Es kann den Tieren langfristig schaden und auch die Qualität der Gewässer nachhaltig beeinträchtigen.

Für gewöhnlich finden Enten und andere Wasservögel in ihrer natürlichen Umgebung ausreichend Futter. Durch die zusätzlichen Nahrungsmittel von Spaziergängern verfetten die Tiere und verlieren ihre natürlichen Instinkte. Sie gewöhnen sich an die regelmäßige Fütterung durch den Menschen und verlernen als Folge, selbst auf Futtersuche zu gehen. In Zeiten, in denen sie nicht durch den Menschen gefüttert werden, sind sie häufig nicht mehr in der Lage, sich selber ausreichend zu ernähren.

Weiterhin vertragen Tiere wie Stockenten oder Schwäne menschliche Lebensmittel nur schlecht. Auf dem Ernährungsplan der Vögel stehen in der Regel Pflanzen und von Zeit zu Zeit tierische Nahrung, beispielsweise Würmer oder Schnecken. Die unnatürliche Nahrung wie Brot oder gar Kekse kann zu Nährstoffmangel führen und bewirken, dass die Tiere im Frühjahr besonders dünnschalige Eier legen. Hierdurch ist wiederum der Nachwuchs gefährdet.

Hinzu kommen Probleme, die die Qualität des Wassers sowie andere Lebewesen in den Gewässern betreffen: An Orten, an denen Wasservögel regelmäßig gefüttert werden, sammeln sich die Tiere gerne. Die Vogel-Population ist an diesen Stellen daher größer als sie von der Natur gegebenen wäre. Insbesondere die großen Mengen an Vogelkot führen zu einer starken Belastung der Gewässer – denn durch ihn können Krankheitserreger wie zum Beispiel EHEC in das Wasser gelangen. Auch durch große Mengen von Speiseresten können sich Mikroorganismen im Wasser vermehren. Diese Mikroorganismen können für Enten und vor allem kleinere Wassertiere gesundheitsgefährdend und teils sogar tödlich sein.

Auch können Nahrungsreste, die nicht von den Tieren gefressen werden, Schaden anrichten: Die Lebensmittel sinken langsam im Gewässer ab, dies kann zu Eutrophierung des Gewässers führen. Das bedeutet, es sind mehr Nährstoffe im Wasser als von der Tierwelt benötigt werden, das Wasser ist überdüngt. Hierdurch wachsen mehr Algen und andere Wasserpflanzen, die das natürliche Gleichgewicht des Gewässers aus dem Takt bringen. Außerdem wird sehr viel Sauerstoff benötigt, um die Nahrungsreste im Wasser abzubauen. Dieser Sauerstoff fehlt dann anderen Lebewesen im Wasser. Die Folge kann vermehrtes Fischsterben sein. Auch dies begünstigt ein Ungleichgewicht des Naturzustandes. In extremen Fällen kann dies schließlich dazu führen, dass das Gewässer „kippt“ – es riecht übel und verfärbt sich bräunlich-grün.

Um die natürlichen Zustände der Gewässer weitgehend zu erhalten oder wieder herzustellen, gehen immer mehr Städte wie beispielsweise Hamburg oder Siegen so weit, das Füttern von Wasservögeln zu verbieten. Dies mag im ersten Moment zu Unverständnis und Enttäuschung führen – besonders unter den Kindern. Doch profitieren wir nicht alle mehr davon, wenn wir langfristig die natürliche Umgebung der Wasservögel schützen und auf diesem Weg auch die Gewässer rein halten?

Binnenschifffahrt – Fluch oder Segen?

Foto: Jim Bahn

Die Binnenschifffahrt wird oft als ökologisch sauberes und kostengünstiges Transportmittel angepriesen, das eine umweltfreundliche Alternative zum Gütertransport per Schiene, Flugzeug oder LKW bietet. Die ohnehin überfüllten Straßen werden entlastet, Kosten eingespart und die CO2-Bilanz verringert. Doch ist das wirklich der Fall? Hält die Binnenschifffahrt, was ihr guter Ruf verspricht?

Seefracht und Binnenschifffahrt werden oft in einem Atemzug genannt oder nicht klar voneinander getrennt. Betrachtet man den Transport auf dem Wasserweg jedoch unter Umweltaspekten, lohnt sich ein differenzierter Blick.

Güter, die per Seefracht transportiert werden, nutzen das Meer als Transportweg. Dabei handelt es sich um eine vergleichsweise umweltfreundliche und leistungsfähige Variante. Die Fracht erreicht ihr Ziel an einem Seehafen, sprich einem an der Küste gelegenen Umschlagsplatz, im Falle von Deutschland beispielsweise Hamburg, Bremen oder Ludwigshafen. Von dort aus wird die Ware dann per Bahn, LKW oder Binnenschiff weitertransportiert.

Binnenschifffahrt hingegen meint den Transport von Waren oder Personen auf Binnengewässern, sprich Flüssen, Seen oder Kanälen. Binnenschiffe sind kleiner als Seefrachtschiffe und in ihrer Konstruktion an die Anforderungen von Flussbetten angepasst. Der Transport der Güter erfolgt von einem Binnenhafen zum nächsten.

In puncto Wirtschaftlichkeit rentiert sich eine Verlagerung des innerdeutschen Gütertransports auf das Wasser nicht. Es wurden zwar bereits Milliarden in den Wechsel investiert, die verkehrspolitischen Ziele wurden jedoch nicht erreicht, denn die Verkehrsleistung der Binnenschifffahrt stagniert. Außerdem schneidet die Binnenschifffahrt im Vergleich zu Bahn und LKW auch deshalb schlecht ab, weil die Raumerschließung gering ist, Kosten für den Ab- und Antransport zum Hafen anfallen und Unterbrechungen des Transports durch Hoch- und Niedrigwasser möglich sind.

Dennoch hat man die Flüsse und ihre Läufe in der Vergangenheit stark verändert, um sie zu einem ökonomischeren Transportweg zu machen. Sie wurden gestaut, begradigt und ihre Ufer befestigt. Ihr natürlicher Verlauf fiel einer Umgestaltung zu Gunsten einer besseren Beschiffbarkeit zum Opfer. Da die Binnenschiffe mit der Zeit immer größer, breiter und tiefer wurden, waren weitere Ausbauten der Flussbette notwendig. Etwa 80 Prozent der Flussauen wurden in den vergangenen Jahrzehnten durch den Ausbau der Binnenschifffahrtswege zerstört. Die Folgen waren fatal: Die natürlichen Flussauen haben eine wasserreinigende Funktion und wirken zudem regulierend im Wasserkreislauf. Sie spielen damit eine wichtige Rolle im Hochwasserschutz. Gleichzeitig wurde damit ein artenreicher und vielfältiger Lebensraum von Pflanzen und Tieren vernichtet.

Was also tun?
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) hat ein Konzept für eine nachhaltige Binnenschifffahrt ausgearbeitet, das verschiedene Schritte vorsieht. Statt weitere Gelder in den Ausbau der Schifffahrtswege fließen zu lassen, ist eine Auslastung der bereits vorhandenen Kapazitäten sinnvoller. Zum einen können dazu die Schnittstellen zwischen Wasser, Schiene und Straße optimiert werden. Die Binnenschifffahrt sollte in Zukunft gezielt in eine moderne Transportlogistik integriert werden. Zum anderen sollten Flotte und Schiffstechnik modernisiert werden. Nur so kann ein wirtschaftlicher Transport von höherwertigen Gütern in Containern ermöglicht werden. Im letzten Schritt ist eine Renaturierung der Flüsse und Auen notwendig. So ist beispielsweise die Rückgewinnung von Überschwemmungsflächen grundlegend für den Hochwasserschutz.

Im Rahmen der Globalisierung ist zu erwarten, dass der Gütertransport – auf nationaler wie internationaler Ebene – weiter zunehmen wird. Ob und in welchem Ausmaß die Bewältigung dieser Gütermengen auf Kosten der Flüsse passiert, bleibt abzuwarten.

Ein Kontinent aus Müll

Foto: Horia Varlan

Die Erde hat fünf Kontinente, so lernt es jedes Kind im Erdkunde-Unterricht. Aus geografischer Sicht hat sich daran nichts geändert – sieht man einmal von Modellen ab, die Eurasien oder die Antarktis als Kontinente betrachten. Mit Blick durch die Umwelt-Brille hat sich im Laufe der Zeit allerding ein sechster Kontinent hinzu gesellt. Im pazifischen Ozean liegt er, dieser sechste Kontinent. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von Plastik-Abfällen die ein größeres Ausmaß hat als Indien: Fast 3,4 Millionen Quadratkilometer umfasst der bislang nahezu unerforschte Kontinent. Die riesige Insel aus Abfällen bildet sich an einem Punkt zwischen Kalifornien und Hawaii, an dem zwei Meeresströmungen aufeinandertreffen und dadurch einen immensen Wirbel erzeugen. Dieser sorgt dafür, dass der teils giftige Müll sich im Meer sammelt und die Dimensionen jeder Müllhalde übertrifft. Weitere Kontinente könnten in den kommenden Jahren folgen, denn es gibt bereits fünf solcher Müllberge in den Strudeln der Weltmeere.

140 Millionen Tonnen Abfall treiben laut dem deutschen Umweltbundesamt in den Meeren – und jedes Jahr kommen 6,4 Tonnen dazu. Doch woher kommt der ganze Müll? Experten gehen davon aus, dass etwas 20 Prozent von Schiffen stammen. Die restlichen 80 Prozent werden von den Küsten ins Wasser geschwemmt. Dabei sind nicht immer Umweltsünder verantwortlich für die Vermüllung. Häufig werden Abfälle von Mülldeponien und Stränden durch den Wind in die Meere getragen. Auch Sturmfluten und Hochwasser treiben Schadstoffe häufig ins Gewässer. Besonders problematisch sind heutzutage die vielen Plastiktüten, die täglich über die Ladentheken gehen. Auch winzige Plastikkügelchen, wie sie zum Beispiel für Peelings und Duschgels verwendet werden, sind ein Problem, denn diese Bestandteile sind so klein, dass sie selbst von Kläranlagen nicht aus dem Wasser gefiltert werden können.

Eine besonders kritische Belastung stellt hierbei der Plastikmüll dar – Denn Plastik überlebt jeden von uns. Im Durchschnitt benötigt der vollständige Zersetzungsprozess des Kunststoffes etwa 500 Jahre. Erschwerend kommt hinzu, dass das Allheilmittel der Industrie viele Giftstoffe wie Weichmacher enthält. Diese Schadstoffe werden bei ihrer Reise durch die Meere freigesetzt und gelangen in den Wasserkreislauf. Dies bleibt auch für den Menschen nicht ohne Folgen. Denn die Schadstoffe aus dem Ozean nimmt der Mensch mit jedem Genuss von Fisch zu sich.

Neben dem Menschen leidet auch die aquatische Tier- und Pflanzenwelt unter den Plastikbergen im Meer: Die Tiere sind im Wasser nicht in der Lage, den Müll zu erkennen, verfangen sich darin und ziehen sich häufig teils tödliche Verletzungen zu. Außerdem verwechseln viele Fischarten zerkleinerte Bestandteile des Mülls oft mit ihrem Nahrungsmittel Plankton. Das unverdauliche Plastik ist nicht selten der Grund dafür, dass die Lebewesen mit einem plastikgefüllten Magen verhungern.

Verschiedene Initiativen reagieren bereits auf diese Missstände. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) startet nun beispielsweise den Aufruf „Meere ohne Plastik“. Das Ziel: Schon bald sollen die Müllberge in den europäischen Meeren um die Hälfte verringert sein. Ein ähnliches Projekt wurde bereits im Jahr 2012 unter dem Titel „Fishing for Litter“ initiiert. Damals war das Ziel, Häfen und Fischer an Ost- und Nordsee auf das vorhandene Problem aufmerksam zu machen und außerdem Entsorgungskapazitäten für den Müll im Gewässer bereitzustellen. Die Fischer, die mit vielen Fängen ohnehin Müll aus dem Meer fischen, können diesen nun in bereitgestellten Industriesäcken an Bord sammeln, statt ihn wieder im Meer zu entsorgen. 70 Fischer konnten schon für das Projekt zugunsten der Umwelt gewonnen werden, weitere sollen stetig mit ins Boot geholt werden. Sollte dies gelingen, wäre man in der Lage, mit einem flächendeckenden „Fishing for Litter“-System etwa zehn Prozent der jährlichen Einträge der Verschmutzung auch wieder herauszufiltern. Dies wäre ein großer Schritt in Richtung Reinigung der Meere.

Doch es reicht nicht, sich langfristig auf gemeinnützige Initiativen zu verlassen. Den akuten Handlungsbedarf hat auch die Politik bereits erkannt. Ein erster Ansatz ist, das massive Aufkommen von Plastiktüten zu verringern. Die Grünen schlagen beispielsweise vor, eine Stückgebühr von 22 Cent einzuführen, die dann in Umweltprojekte fließen sollen. Dass diese Rechnung aufgeht, zeigt sich in Irland, wo dieses Modell bereits praktiziert wird – Der Verbrauch der umweltschädlichen Tüten hat sich durch die Gebühr um 90 Prozent verringert. Noch drastischer wird es in Teilen Afrikas und Asiens gehandhabt: Hier ist der Gebrauch von Plastiktüten teilweise ganz verboten.

Das hätte nicht nur positive Folgen für die Umwelt, sondern auch für den Menschen. Denn eine Reihe der chemischen Bestandteile in Plastikabfällen kann das Erbgut verändern und so Krebserkrankungen begünstigen. Wie letztlich die langfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem Ozean und die Gesundheit des Menschen sein wird, wird jedoch erst die Zeit zeigen. Jetzt heißt es erst einmal: schnell Handeln! Doch welcher Weg ist der beste – Und welchen Beitrag ist jeder von uns tatsächlich bereit, zu leisten?

Projektpartner: Biofilm Centre – Im Labor mit Campylobacter

Foto: Rania Ladwig, Sichere Ruhr

Petrischale, Brutschrank und Pipette – die meisten Menschen verbinden hiermit allenfalls frühere Erinnerungen aus dem Biologieunterricht in der Schule. Nicht jedoch Marina Horstkott. Die 26jährige ist Mitarbeiterin des Biofilm Centre’s an der Universität Duisburg-Essen und verbringt viel Zeit im Labor. Petrischale, Brutschrank und Pipette sind dabei nur drei ihrer täglichen Begleiter mit denen sie das Ruhrwasser im Rahmen des Projekts Sichere Ruhr auf Bakterien hin untersucht. Da im Projekt eine Menge solcher Untersuchungen anfallen, ist Marina Horstkott nicht die einzige Mitarbeiterin, die im hochmodernen und gut ausgestatteten Labor des Instituts forscht. Auch ihr Kollege und Betreuer Dr. Jost Wingender widmet sich jede Woche aufs Neue gewissenhaft den Untersuchungen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Dabei werden die beiden tatkräftig von zwei Biologisch Technischen Assistentinnen unterstützt. Und schließlich hat Professor Flemming, der das Biofilm Centre leitet, immer ein wachsames Auge und ein offenes Ohr für aufkommende Fragen und aktuelle Ergebnisse.

Im Rahmen des Projekts arbeitet das Biofilm Centre besonders eng mit dem IWW Zentrum Wasser, mit der Ruhr-Universität in Bochum und mit der Universität in Bonn zusammen. Denn sie alle untersuchen das Ruhrwasser auf verschiedene hygienisch bedeutsame Mikroorganismen hin. Die Arbeiten sind sinnvoll verteilt, so untersucht das Biofilm Centre das Wasser auf Bakterien ­– dabei werden sie vom IWW Zentrum Wasser unterstützt. Die Bonner suchen nach parasitischen Protozoen – das sind einzellige Organismen – und Coliphagen – die Viren, die Bakterien befallen – während sich die Kollegen in Bochum den human-relevanten Viren widmen. Dabei ist es besonders wichtig, in regelmäßigem Kontakt zu stehen und sich über die Projektergebnisse auszutauschen und in Zusammenhang zu bringen. Nur auf diesem Weg kann eine ganzheitliche hygienische Risikobewertung der Ruhr vorgenommen werden, die eines der wichtigsten Ergebnisse im Projekt Sichere Ruhr darstellt.

Die Arbeit im Biofilm Centre ist sehr abwechslungsreich. Neben den Untersuchungen im Labor verbringt das Team auch einige Zeit an der Ruhr, um dort an verschiedenen Stellen des Flusses Wasserproben zu entnehmen. In den darauf folgenden zwei Wochen fallen dann die aufwändigen Untersuchungen des Wassers an. Gemeinsam suchen die Forscher dann nach verschiedenen Bakterien, wie zum Beispiel dem Campylobacter, und dokumentieren alle Funde. In Phasen, in denen gerade keine Wasserproben auszuwerten sind, beschäftigt sich Frau Horstkott mit der Auswertung und Aufbereitung der angesammelten Untersuchungsergebnisse.  Sie müssen gut aufgearbeitet werden, damit das Team auch sinnvolle Schlüsse daraus ziehen kann.

In der Verwaltung der enormen Datenmengen sieht die Wissenschaftlerin für sich auch die größte Herausforderung am Projekt Sichere Ruhr. Denn allein in einer einzigen Probennahme werden so viele Daten erzeugt, dass sie acht sehr lange Tabellenblätter in Excel füllen. Und von solchen Probennahmen gab es bislang schon ungefähr 25 an der Zahl. Dazu kommen weitere Daten von Proben, die aus den Klärwerken entnommen wurden. Und damit keine Langeweile aufkommt, werden auch die aufwändigen Testverfahren und Methoden dokumentiert – denn schließlich soll man im Nachhinein auch noch nachvollziehen können, wie die ganzen Untersuchungsergebnisse zustande gekommen sind.

Das Biofilm Centre hat bereits viele Jahre Erfahrung in der Erforschung von Wasser. Daher hat es sich am Projekt beteiligt, um das Fachwissen einfließen zu lassen. Die Forschungsaufgaben passen außerdem sehr gut zum Studiengang „Water Science“, bei dem die Mitarbeiter des Biofilm Centre’s lehren; Frau Horstkott ist eine Absolventin dieses Studiengangs. Der Anreiz für das Institut sich am Projekt zu beteiligen war daher sehr groß.

Auch die persönliche Motivation von Marina Horstkott liegt auf der Hand: Als Bottroperin freut sie sich, nicht nur etwas in der Umgebung machen zu können, sondern auch einen Beitrag für die Umgebung leisten zu können. Denn, so glaubt sie, die Reinigung der Ruhr könnte einen großen Imagegewinn mit sich bringen und in Zukunft vielleicht sogar so etwas wie ein Sinnbild für den Wandel der Metropole sein. Ihr persönliches Wunschergebnis für das Projekt wäre dabei, dass gänzlich abgeklärt wäre, welches Risiko tatsächlich mit dem Baden in der Ruhr verbunden ist und dass dieses Risiko – nicht zuletzt auf der Grundlage des Projekts – minimiert werden kann. Für sie steht dabei in erster Linie das Informieren der Bürger über mögliche Risiken beim Baden in der Ruhr im Vordergrund; es soll nicht nur gewarnt werden, sondern es sollen auch Phasen mit geringem Risiko identifiziert werden. Die Badenden sollten soweit aufgeklärt werden, dass sie die Risiken selber einschätzen und eigenverantwortlich ins Wasser springen könnten.

Bleibt nur noch die Frage, ob Marina Horstkott selber in der Ruhr baden würde? Erstaunlicherweise ist die junge Frau kein Fan vom Baden in natürlichen Gewässern, das ist einfach nicht ihr Ding. Sie betrachtet dafür andere Vorteile, wie den Gewässerschutz und eben auch das Image der Region, als Nutzen des Projekts. Aber vielleicht, wenn das Baden in der Zukunft irgendwann mal offiziell erlaubt sein sollte, würde sie sich an einem heißen Sommertag mal zu einer kurzen Erfrischung überreden lassen.