Monthly Archives: Mai 2013

Die giftigsten Flüsse der Welt

Foto: Shubert Ciencia

Die Ruhr ist einer der saubersten Flüsse Europas. Doch saubere Flüsse sind weltweit keine Normalität. Im Gegenteil. Achtzig Prozent der Weltbevölkerung lebt in der Nähe oder direkt am Ufer verseuchter Flüsse.  Doch die Menschen leben nicht nur an den Flüssen, sie nutzen diese für die Fischerei, die Industrie und Stromgewinnung. Am Fatalsten: Auch das Trinkwasser wird in weiten Teilen der Welt aus den hochgiftigen Gewässern gewonnen.

Welcher der weltweit giftigste Fluss ist, lässt sich nicht sagen. Der chinesische Jangtse beispielsweise ist mit seinen 6.300 Kilometern und 30.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde der längste und stärkste Fluss Asiens. 400 Millionen Menschen leben am Ufer des Flusses, der die Wasserversorgung für über siebzig Prozent der Reisanbaugebiete übernimmt. Doch der Fluss ist nicht nur lang und mächtig – der Jangtse ist krank. Dreißig Milliarden Tonnen Haus- und Industriemüll landen jährlich im Fluss. Und nicht nur das: Düngemittel, Pestizide, Chemikalien und ungeklärte Abwässer verseuchen und vergiften den Jangtse darüberhinaus.

Doch der Jangtse ist nicht der einzige asiatische Fluss in derart schlechtem Zustand. Der heiligste Fluss Indiens und der Hindus, der Ganges, ist enorm verschmutzt. 1,2 Millionen Kubikmeter ungeklärtes Abwasser fließen täglich in den Fluss – mit ihnen Chemikalien und hochgiftige Stoffe. Kolibakterien aus den Fäkalabwässern, sowie Überreste aus Leichen und Kadavern reichern das Wasser darüber hinaus mit zahlreichen Krankheitserregern an. Typhus und Cholera sind nur zwei der schwerwiegenden Folgen, denn im Flusswasser baden und waschen täglich tausende Menschen.

Auch die Nebenflüsse des Ganges sind stark verschmutzt. Auf dem Yamuna lässt sich die hochgradige Verschmutzung mit bloßem Auge erkennen. Weißer Chemieschaum oder tiefschwarzes Wasser zeigen den traurigen Zustand des Gewässers bereits ohne jegliche mikrobiologische Untersuchung. Der Fluss ist tot.

Der Citarum in West-Java in Indonesien wird ebenfalls oft als schmutzigster Fluss der Welt bezeichnet. An seinem Ufer leben mehr als fünf Millionen Menschen, trinken das Flusswasser und essen die dort gefangenen Fische. Die Folgen lassen sich erahnen.

Doch nicht nur Asien kämpft mit stark verseuchten Flüssen. Der Riachuelo in Südamerika beispielsweise gilt als Argentiniens öffentliche Kloake. Ungeklärte Abwässer von mehr als fünf Millionen Menschen fließen in den Riachuelo. An seiner Mündung in Buenos Aires wird der Fluss darüber hinaus als Mülldeponie und Ableitung für giftige Industrieabwässer missbraucht. Exkremente und Kadaver schwimmen auf dem stehenden Gewässer. Die Folge: Der Fluss stinkt und ist extrem belastet.

Auch in Afrika verlieren manche natürlichen Gewässer den Kampf gegen den Eingriff des Menschen, der dann unter diesen Folgen zu leiden hat. Fünfzig Millionen Tonnen Rohöl verschmutzten den Niger, dessen Delta von 7.000 Kilometern Ölpipes durchzogen ist in den letzten fünfzig Jahren. Aus den maroden Pipelines tritt nahezu ständig Öl aus. Die Folge: Die Lebenserwartung der Menschen des Nigerdeltas beträgt zehn Jahre weniger im Vergleich zum Rest des Landes.

Die Eingriffe des Menschen in die Natur haben in weiten Teilen der Erde erheblichen Einfluss auf die Umwelt und auf den Menschen selbst. Tote Flüsse ohne Tiere und Pflanzen, schwer kranke Menschen. Diesen Teufelskreis gilt es im Sinne der Nachhaltigkeit zu durchbrechen. Nur so können zukünftige Generationen auf dieser Erde ihre Bedürfnisse befriedigen, selbstgewählt und selbstverwirklichend leben. Doch was kann jeder Einzelne von uns tun? Oder sind das einfach Probleme am anderen Ende der Welt?

Die Ruhr im Verlauf

Foto: Ruhrverband

Im Naturpark Rothaargebirge, drei Kilometer nordöstlich von Winterberg, liegt der Ruhrkopf, Hier entspringt die Ruhr auf 674 Meter Höhe über Normalnull. Oberhalb der Quelle verläuft die Rhein-Weser-Wasserscheide. Die hier entsprungenen Bäche münden nicht wie die Ruhr im Rhein, sondern durch Orke, Eder und Fulda in der Weser.

Mit Ausnahme der ersten zwanzig Kilometer, fließt die Ruhr  weitestgehend in Ost-West-Richtung und wird dabei beidseitig von den Gebirgszügen des Rheinischen Schiefergebirges begrenzt.

Im Hochsauerlandkreis fließt die Ruhr zunächst an Olsberg, Bestwig und Meschede vorbei in Richtung Arnsberg. Hierbei wird sie von zahlreichen kleinen Gebirgsflüssen gespeist. Hille, Neger, Gierskoppbach, Henne und Wenne fließen noch vor Arnsberg in den Fluss.

Bei Wickede knickt die Ruhr dann nach Westen ab und fließt von dort vorbei an Fröndenberg, Menden, Holzwickede, Iserlohn und Schwerte. In diesem Verlauf fließen Möhne, Henne und Baarbach in die Ruhr. Zudem überwindet sie hier bereits den größten Höhenunterschied und fließt bei Schwerte nur noch auf einer Höhe von 123 Metern über Normalnull.

Von Schwerte aus fließt die Ruhr weiter vorbei an den südlichen Stadtteilen Dortmunds, den begehrtesten Wohnlagen der Ruhrgebietsmetropole und der Hohensyburg, die oberhalb der Ruhr liegt. Am gegenüberliegenden Ufer bei Hagen münden die Lenne, der größte Nebenfluss der Ruhr, und die Volme in die Ruhr. Kurz danach passiert die Ruhr die ersten zwei Ruhrstauseen den Hengsteysee und den Harkortsee bei Herdecke. Am rechten Ufer des Harkortsees liegt die Stadt Wetter; etwas weiter flussabwärts die Stadt Witten, zwei ehemalige Industriezentren des Ruhrgebietes.

Die Ausläufer des Ardeygebirges sorgen für einen markanten Bogen im Ruhrverlauf und kündigen das südliche Ruhrgebiet an. Bevor die Ruhr bei Bochum durch den Kemnader Stausee fließt, einen weiteren Ruhrstausee, der vom Ruhrverband betrieben wird, mündet der Oelbach in der Ruhr.

Von Bochum-Dahlhausen bis nach Essen-Steele geht die Flussrichtung gen Westen, ehe sie dann wieder südwestwärts um Essen-Überruhr durch den Baldeneysee strömt, wo der Dalbach  die Ruhr speist. Nachdem sie Essen-Werden hinter sich lässt, fließt sie nach dem Kettwiger Stausee nach Nordwesten um bei Mülheim an der Ruhr das Niederrheinische Tiefland zu erreichen. Hier ändert sie erneut die Fließrichtung nach Westen. Beim Zentrum von Mülheim an der Ruhr mündet der Rumbach als letzter Nebenfluss im Ruhrverlauf in die Ruhr.

Bevor die Ruhr Duisburg erreicht, passiert sie die Südgrenze von Oberhausen. Bei Duisburg-Ruhrort mündet die Ruhr auf 20,2 Metern über Normalnull in den Rhein.

Gefahren beim Baden in natürlichen Gewässern

Foto: David Hawkins-Weeks

Das Baden in natürlichen Gewässern birgt stets ein Risiko. Doch natürliche Gewässer sind nicht alle gleich risikoreich. Die Rahmenbedingungen für das Baden in Flüssen und Seen sind neben der Wasserqualität auch Strömungsverhältnisse, Wellengang und Sog. Diese können nicht verallgemeinert werden, sondern weichen in großem Maße voneinander ab.

Im Vergleich zum Baden in Seen ist das Risiko beim Baden in Flüssen und Kanälen deutlich höher – jährlich ertrinken hier die meisten Menschen. Möchte man ein sicheres Bad im Fluss genießen, sollten folgende Regeln eingehalten werden:

  1. Gehen Sie niemals an Wasserbauwerken und Buhnen schwimmen! Diese Wasserbauwerke verhindern, dass das Wasser im Fließgewässer gleichmäßig fließt. Stattdessen kommt es hier schnell zu Verwirbelungen, die auch geübte Schwimmer überraschen können und für Panik sorgen.
  2. Springen Sie nicht von Brücken in einen Fluss! Die Wassertiefe ist hierbei nicht einsehbar und kann leicht überschätzt werden. Die Folgen können bis hin zu lebensbedrohlichen Verletzungen reichen.
  3. Gehen Sie nicht schwimmen, wenn Schiffe unterwegs sind! Vorbeifahrende Schiffe sorgen für einen erhöhten Wellengang, starken Sog und unvorhersehbare Strömungen. Dies kann plötzlich zu einem erhöhten Wasserpegel am Ufer sorgen und damit dort spielende Kinder in Gefahr bringen.
  4. Schwimmen Sie niemals gegen die Strömung an, sondern lassen Sie sich stets von dieser mittreiben! Die Strömung ist oft stärker als gedacht, weshalb auch geübte Schwimmer ihr Können teilweise überschätzen.
  5. Beachten Sie Badeverbote! Badeverbote sind meist aus Gründen der Sicherheit ausgesprochen worden. Gefahren durch Wasserbauwerke, Einleitungen und Strömungen soll so vorgebeugt werden. Darüber hinaus sind Flora und Fauna in Natur- und Wasserschutzgebieten nicht zu beeinträchtigen – Hier gilt ebenfalls ein ausdrückliches Badeverbot.

Für das Baden in Seen gelten ebenfalls besondere Regeln, die es im Sinne der Sicherheit einzuhalten gilt:

  1. Schwimmen Sie nicht zu weit raus! Besonders tiefe Seen haben unterschiedliche Temperaturschichten. Wenn man besonders weit herausschwimmt oder taucht kann der Temperaturwechsel von dem warmen Oberflächenwasser und dem tiefen Wasser so erheblich sein, dass ein Kälteschock mit Herzversagen drohen kann.
  2. Achtung beim Baden in Baggerseen! Bei Baggerseen handelt es sich um ehemalige Kiesgruben oder Steinbrüche. Die bis zu 30 Meter in die Tiefe reichenden Baggerseen haben oft steil abfallende Ufer. Außerdem können die Uferanschüttungen abrutschen. Bleiben Sie also in den beschilderten Badezonen.
  3. Vorsicht vor Wasserpflanzen! In stehenden Gewässern gibt es oft Wasserpflanzen mit langen Auswüchsen. Bleibt man hier einmal hängen, muss Ruhe bewahrt werden.

Sollte jemand anderes in Gefahr geraten, wählen Sie schnell die 112. Gehen Sie selbst nur ins Wasser, wenn Sie sich hierdurch selbst nicht in Gefahr bringen. Eigenschutz geht vor!

Generell gilt: Erst denken, dann schwimmen. Die Informationsbeschaffung über ein mögliches Badegewässer sollte immer vorab geschehen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DRLG) und die Deutsche Wasserwacht (DRK) kennen die Gefahren, die von einem natürlichen Gewässer ausgehen und können daher bestens Auskunft geben. Fragen Sie einfach in der Ortsgruppe nach.

Weitere Informationen zum Schwimmen in öffentlichen und natürlichen Gewässern, finden Sie auf der Internetpräsenz der DLRG und der DRK.

 

Urbanes Wasser = Fließende Lebensqualität?

Foto: Thomas Ulrich

Deutschlands lebenswerteste Städte sind München, Hamburg, Frankfurt, Bonn und Düsseldorf. Was haben sie gemeinsam? Sie liegen alle am Wasser und sind stark geprägt durch Isar, Alster, Elbe, Main und Rhein. Auch international sind es vor allem Städte in direkter Wassernähe, wie Kopenhagen, Zürich, Genf oder Sydney, die besonders lebenswert sind. Doch ist es tatsächlich so, dass sich Wasser automatisch positiv auf die Lebensqualität ausübt? Die wirtschaftliche Funktion der Flüsse rückt in Städten immer mehr in den Hintergrund. Ein Fluss ist nicht mehr in erster Linie Transportweg, sondern gibt einer Stadt ihren Charakter und ist Teil ihrer Persönlichkeit. Was wäre Köln etwa ohne den Rhein?

Wohnanlagen und Städte in Wassernähe haben ein maritimes Flair, das an Urlaub erinnert und entspannt. Wo es keine natürlichen Gewässer gibt, werden oft künstliche geschaffen- so auch im neuen Universitätsviertel „grüne mitte“ in Essen. Dort, wo die Flüsse ehemals unter grauen Betondecken verschwanden, werden sie wieder befreit und in das Stadtbild integriert. Doch solche Umbauten sind aufwendig und verschlingen Unsummen. Die Stadt Siegen investiert beispielsweise Millionen in die Freilegung ihres Flusses. Lohnt sich dieser Aufwand für ein kleines Mehr an Lebensqualität?

Das Wiederentdecken der Flüsse bringt erhebliche Vorteile mit sich: Die Stadt profitiert von Standortvorteilen, ihre Einwohner von Naturnähe und höherem Freizeitwert. Großstädte warten mit vielen Pluspunkten auf: Sie bieten eine tolle Infrastruktur, tobendes Leben und vielfältige Angebote. Doch auch die negativen Aspekte wie Hektik, Lärm, Beton und Abgase schlagen zu Buche und sorgen dafür, dass Naturliebhaber und Familien die Stadt verlassen und aufs Land ziehen. Die Wassernähe kann jedoch ein Gefühl der Ruhe, Entspannung und Naturnähe zurückgeben. Doch wieso ist das so? Wieso entspannen wir am Wasser?

Wasser ist eine Erfahrung, die wir mit allen Sinnen machen. Das Farbspektrum reicht von verschiedenen Grün- bis Blautönen, die eine beruhigende Wirkung haben. Wasser belebt und vitalisiert unseren Organismus. Besonders nach einer Tasse Kaffee oder einem Glas süßer Limonade wirkt ein Schluck Wasser erfrischend und ausgleichend. Das sanfte Rauschen und Wiegen von Wellen holen wir uns durch Zimmerbrunnen oder Wecker mit Naturtönen in den Alltag. Bewegen wir uns im Wasser, nimmt die Schwere unseres Gewichtes ab, wir fühlen uns leicht und unsere Muskeln können entspannen. Trockene Luft, wie etwa im Winter in beheizten Räumen, reizt die Atemwege und kann zu Augenbrennen und Atembeschwerden führen. Luft mit erhöhter Feuchtigkeit hingegen belebt. All diese positiven Eigenschaften des Wassers wirken sich positiv auf unsere Psyche und unseren Körper aus, was letztlich zu mehr Lebensqualität führt. Doch ist Wasser im urbanen Raum ausreichend, um die Stadt für alle zum attraktiven Lebensraum zu machen? Oder zieht es die Menschen dennoch aufs Land?

Unser Wochenend-Tipp: Pfingst Open Air Werden

Foto: Avarty Photos

Wummende Bässe und tausende junge Menschen auf den Straßen von Werden – und das auf einem Pfingstmontag! Wer am Feiertag in aller Ruhe die Sonne am Wasser genießen möchte, sollte über einen Ausflug zum Kemnader Stausee nachdenken. Wer jedoch ohne Kosten im Freien feiern möchte, der ist in Werden ganz richtig. Angekündigt ist wechselhaftes Wetter bei 16 Grad. Ob die Sonne an Pfingsten also tatsächlich scheinen wird, das lässt sich bislang nur erahnen. Wer jedoch am 20.05.2013 ab 13.00 Uhr die Werdener Ruhrwiesen zum Beben bringen wird ist dagegen sicher. Prinz Pi, Caravan Place, Vierkanttretlager, And So I Watch You From Afar, The Computers, Jonas David und viele mehr sorgen im Dreiviertel-Stundentakt beim Werdener Pfingst Open Air für Stimmung. Die einzigartige Mischung aus Hip Hop, Elektroswing, Singer-Songwriter, Indie,  Postrock, Punk, Elektro sorgt für Abwechslung und macht das Festival für jeden Musikgeschmack attraktiv.

Kulinarisch ist für die Festivalbesucher dabei ebenfalls bestens gesorgt. Zahlreiche nationale und internationale, fleischhaltige und vegetarische Köstlichkeiten, sowie eine breite Getränkeauswahl lassen keine Wünsche offen. Faire Preise sind dabei garantiert.

Das eintägige Festival ist daher absolut einen Ausflug auf die Ruhrwiesen wert. Einzige Empfehlung: Tiere zu Hause lassen und Ohrstöpsel mitbringen – Es kann etwas lauter werden.

Das seit 1980 jährlich stattfindende kostenlose Festival auf den Ruhrwiesen mit Main Stage und Elektrowiese zog im letzten Jahr 20.000 Besucher nach Werden. Organisiert wird das Festival vom Jugendamt und dem Rockförderverein Essen. Weitere Infos hierzu gibt es in den Wasserwelten.

Schon mal da gewesen?

Sauberes Trinkwasser – Ein Menschenrecht?!

Foto: Eric Norris

Jährlich sterben 1,5 Millionen Menschen an verunreinigtem Wasser. 884 Millionen Menschen hatten im Jahr 2010 nicht einmal ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser; 2,6 Milliarden Menschen hatten keinen Zugang zu einfachen sanitären Anlagen. Das ist mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung.

Damit soll Schluss sein. Das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser wurde 2010 von den Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt.

Da jedoch die Menschenrechte – und damit auch das Recht auf Wasser ­– für die 192 Staaten der Vereinten Nationen rechtlich nicht bindend sind, ist das Recht auf sauberes Wasser auch nicht einklagbar. Was bringt dann also der Beschluss?

Ein Symbolbeschluss wie dieser beeinflusst die Politik der Staaten und übt auf Länder, die sich bislang dieser Forderungen verweigern, Druck aus. Bislang wird der völkerrechtlich verankerte Beschluss in vielen Ländern wegen der Angst vor zu hohen Investitionen für eine geregelte Wasserversorgung nicht umgesetzt. Dabei beachten die Staaten den wirtschaftlich enormen Nutzen der Umsetzung nicht: Jedem Dollar, der die Wasser- und Sanitärversorgung kosten würde, stehen acht Dollar volkswirtschaftlicher Schaden bei Unterlassen gegenüber.

Damit die Umsetzung in Zukunft tatsächlich erfolgt gibt es weltweit zahlreiche Initiativen, die das Recht auf sauberes Trinkwasser und sanitäre Versorgung fordern und die lokalen Entscheidungsträger hierfür sensibilisieren wollen. Die Initiative Water, Sanitation and Hygiene (WASH) wird dabei beispielsweise vom Auswärtigen Amt, Brot für die Welt und vielen Prominenten unterstützt.

Doch was hat das mit Sichere Ruhr zu tun?

Ein Fluss in dem man baden kann – das ist eine Zukunftsvision in Bezug auf die Ruhr. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, in welcher privilegierten umweltpolitischen Lage wir damit in Europa schon sind. Umweltschutz als festes Element der Politik und fest in den Köpfen der Menschen verankert – das ist keine Zukunftsmelodie mehr. Nun bedarf es der Unterstützung der westlichen Welt, damit Menschen in den Entwicklungsländern ebenfalls freien Zugang zu der wichtigsten Ressource des Lebens haben. Damit sauberes Trinkwasser nicht nur ein symbolisches, sondern ein wirkliches Menschenrecht wird. Doch wie kann eine solche Unterstützung aussehen? Was kann ein jeder von uns tun? Und sollten Menschenrechte nicht tatsächliche sein und nicht nur symbolische?

Was ist Mischwasserbehandlung?

Foto: Ruhrverband

Verregnete Sommer, nasse Winter – doch wohin mit dem ganzen Wasser? Bei schlechtem Wetter fließen Regenwasser und Schmutzwasser gemeinsam in die Kanalisation. Die dabei entstehenden Wassermengen überschreiten die Mengen, die bei gutem Wetter kanalisiert werden um ein Vielfaches. An geeignet Stellen wurden aus diesem Grund im Kanalnetz Regenentlastungs- und Niederschlagswasserbehandlungsanlagen angeordnet. So werden die Kläranlagen in ihren Reinigungsleistungen nicht eingeschränkt.

Regenüberlauf- oder Regenrückhaltebecken und Stauraumkanäle speichern die eingeleiteten Abwässer nach Starkregen zwischen und führen sie verzögert in die Kanalisation zurück und damit in die Kläranlagen. Bei extremen Niederschlägen über einen längeren Zeitraum können die Mengen wegen voller Speicher nicht zwischengespeichert werden. Dann kann ein Teil ungefiltert in den Fluss gelangen und damit schlechten Einfluss auf die Wasserqualität nehmen, ein Ereignis, das früher ständig geschah. Bevor die Regenrückhaltebecken als Lösung für Starkregenereignisse entwickelt wurden, leitete man das Mischwasser nach Regengüssen stets direkt in den Fluss. Neben Industrieabwässern war dies ebenfalls ein Grund für den schlechten Zustand der Oberflächengewässer. Durch die fortschreitende Entwicklung der Abwassertechnik konnte hier Abhilfe geschaffen werden. Heute gelangt nur noch in seltenen Ausnahmefällen ungefiltertes Wasser in die Flüsse.

Wie funktioniert eine Talsperre?

Foto: “Creative Commons” von binweg. Lizenz CC BY-SA 2.0

Häufig trifft man auf Talsperren ohne sie direkt als solche zu erkennen. Auffallen tun sie meist nur durch ihre beeindruckende Größe, denn die dahinterliegende Technik ist für den Betrachter unsichtbar. Hinter den Mauern des massiven Bauwerkes befinden sich hochkomplizierte technische Anlagen, die für das Stauen von fließendem Wasser zuständig sind. Dabei umfasst die Breite einer Talsperre mehr als nur den Querschnitt der Wasseroberfläche, nämlich die komplette Breite des Tals. Hauptfunktionen von Talsperren sind die Trink- und Betriebswasserversorgung, die Energieerzeugung, der Hochwasserschutz und die Niedrigwasseraufhöhung.

Talsperren müssen besonders hohen Sicherheitsanforderungen genügen und vom Betreiber besonders sorgfältig überwacht werden, da sie nicht nur komplizierte technische Anlagen beherbergen, sondern auch sehr viel potenzielle Energie speichern.

Die acht Talsperren entlang der Ruhr, mit einem Gesamtvolumen von 463 Millionen Kubikmetern, bilden das größte zusammenhängende Talsperrensystem entlang eines einzigen Flussgebietes in Deutschland. Im Ruhrgebiet dienen die Talsperren vor allem der Trinkwasserversorgung von rund fünf Millionen Menschen und der Verringerung von Hochwasserspitzen. Gesteuert werden die Talsperren dabei nicht etwa vor Ort jeder einzelnen Talsperre sondern zentral aus der Talsperrenleitzentrale des Ruhrverbandes in Essen.

Was ist ein Stausee?

Foto: Ruhrverband

Die Reinigung des Abwassers war schon lange ein Thema noch weit bevor hochtechnisierte Klärverfahren entwickelt wurden, wie sie in den modernen Kläranlagen zu finden sind. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es bereits mechanische Klärtechniken, jedoch wurden lange nicht alle Abwässer durch diese geleitet. Um das Wasser dennoch rein zu halten und Trinkwasserqualität herzustellen wurden Stauseen als Flusskläranlagen gebaut. Das dahinter stehende Prinzip ist die Reduzierung der Fließgeschwindigkeit und Verlängerung der Laufzeit, wodurch absetzbare Stoffe aus dem Flusswasser entfernt werden. Die Vergrößerung der Wasseroberfläche erhöht darüber hinaus die Wirksamkeit von Sonne und Wind und begünstigt die Sauerstoffaufnahme, wodurch biologische Abbauprozesse im Wasser gefördert werden.

Trotz der fortschreitenden Technisierung der Abwasserreinigung kann auf die natürlichen Flusskläranlagen nicht verzichtet werden. Im Stausee findet die Feinreinigung statt, ein Selbstreinigungsprozess des Wassers, wodurch sich die Wasserqualität des Flusses beim Durchfließen der Stauseen deutlich verbessert. Die Staustufen eines Stausees können darüber hinaus zur Erzeugung von Strom durch Wasserkraft genutzt werden, weshalb die Ruhrstauseen mit Wasserkraftanlagen ausgerüstet wurden. Jährlich werden hier 92,5 Kilowattstunden erzeugt.

Doch die Bedeutung der Stauseen ist nicht nur eine praktische. Als Naherholungsgebiete laden die Ruhrstauseen zu zahlreichen Aktivitäten ein.

Stauseen im Ruhrverlauf sind:

Hengsteysee, eingestaut 1929
Harkortsee, eingestaut 1931
Baldeneysee, eingestaut 1933
Kettwiger See, eingestaut 1950
Kemnader See, eingestaut 1979

Anforderungen an das Baden in der Ruhr

Foto: Niklas Bildhauer

Am 19. und 20. April 2012 fand der Szenarien-Workshop zum Thema „Baden im Baldeneysee“ statt. Zahlreiche engagierte Bürger sowie Interessensvertreter verschiedener Organisationen folgten dem Aufruf, sich aktiv in die Planungen des Projekts Sichere Ruhr einzubringen und es mit ihrem Wissen, ihren Anregungen und ihrer Kritik zu bereichern. Im Workshop entstanden die folgenden Anforderungen an das Baden in der Ruhr. Diese Anforderungen sollten bei den später von den Teilnehmern entwickelten Bade-Szenarien als Grundlage berücksichtigt werden und sollen ebenso bei einer möglichen Umsetzung der Szenarien Beachtung finden.

Hygiene
Durchfallerkrankungen, Erkrankungen der Gehörgänge sowie Badedermatitis sind unangenehme Folgen, die ein Ruhrbad zum Status Quo (Stand: April 2012) mit sich bringen kann. Doch wie kommen diese Krankheitserreger in das Ruhrwasser? Einträge aus der Landwirtschaft, Verunreinigungen von Straßen und Häusern sowie Ausscheidungen von Vögeln haben einen wesentlichen Einfluss auf die Verunreinigung des Wassers. Starkregen spült diese verschiedenen Einträge in die Ruhr, so dass zum derzeitigen Zeitpunkt keine konstante Wasserqualität des Flusses gegeben ist. Sollte also das Baden offiziell oder auf eigene Gefahr erlaubt werden, muss der Verstand mit baden gehen. Besonders wichtig ist, dass der Fluss nach Unwettern gemieden werden sollte.

Mögliche hygienische Verschlechterungen der Wasserqualität durch Badende, wie zum Beispiel durch Sonnencreme oder Hautschüppchen sind jedoch nicht, wie häufig vermutet, gegeben. Diese Mikroverunreinigungen  werden in so großem Maße verdünnt, dass sie für die Wasserqualität keinerlei Beeinträchtigung darstellen.

Für die Informationsvermittlung bezüglich möglicher hygienischer Einschränkungen der Wasserqualität muss ein Frühwarnsystem entwickelt werden, das nicht-wissenschaftlich aufbereitete, verständliche Informationen bereithält.

Rechtslage
Ist es überhaupt erlaubt, ein generelles Badeverbot auszusprechen oder hat nicht vielmehr jeder Bürger ein Recht auf uneingeschränkten Zugang zu öffentlichen Gewässern und damit zum Baden? Ein generelles Badeverbot ist nach der gegebenen Rechtslage eigentlich nicht aufrecht zu halten. Jedem EU-Bürger steht das Recht zu, in Flüssen und Seen zu baden, ausgenommen davon sind Natur- und Wasserschutzgebiete. Hier gilt ein generelles Badeverbot. Zudem sind Kommunen dazu verpflichtet, sobald mehrere Bürger an einer bestimmten Stelle ins Wasser gehen, die Wasserqualität dieser Stelle zu untersuchen. Geht hiervon keine Gefahr aus, ist diese Stelle laut Badegewässerrichtlinie als offizielle Badestelle auszuweisen. Eine Vorgabe, die in der Ruhr nicht umzusetzen ist, denn die Wasserqualität schwankt. Doch unter welchen Voraussetzungen könnte das Baden in der Ruhr dennoch legalisiert werden? Unter Berücksichtigung verschiedener Möglichkeiten kommt rechtlich vielmals nur ein Baden auf eigenes Risiko in Frage. Denn offizielle Badestellen benötigen eine Infrastruktur mit Aufsicht, Parkplätzen und Müllentsorgung sowie die Beachtung der Verkehrssicherheitspflicht. Eine weitere Anforderung an das Projekt ist es damit, eine praktikable Lösung, die den rechtlichen Rahmenbedingungen entspricht, zu finden.

Nutzen
Welchen Nutzen bringt das Baden in der Ruhr für die Region und die Bewohner mit sich? Hierbei gibt es neben dem direkt sichtbaren kommerziellen Nutzen für Gastronomie, Hotellerie und andere Freizeitzweige auch weitere Nutzen für den Bürger, die erst auf den zweiten Blick erkennbar sind.

Ein zentraler Punkt ist hierbei der Imagewandel der Region, der mit dem naturnahen Baden im urbanen Raum weiter unterstützt werden könnte. Das Ruhrgebiet als Industrie- und Kohleabbaugebiet ist vielen ein Begriff, doch sein Wandel zur Kulturregion und grünen Großstadt ist im vollen Gange. Das Baden in der Ruhr würde diesen Wandel positiv unterstützen. Das Image der Region und ihrer Bewohner würde damit verbessert. Neben dem positiven Ansehen würde dies natürlich auch einen Standortvorteil der Region mit sich bringen.

Darüber hinaus bedeutet die Möglichkeit des Badens für die Bewohner selbst mehr Lebensqualität und Freizeitwert. Die Ruhr würde zu einem Ort der Begegnung und Entspannung. Zusätzlich könnten die Bürger von der naturnahen Erfahrungswelt profitieren, die besonders für Kinder ein erhebliches spielerisches Lernmoment mitbringt. Sie könnten Erfahrungen im Umgang mit der Natur sammeln und diese als ihre direkte Umwelt kennen und wertschätzen lernen.

Finanzierung
Die zentrale Fragestellung beim Thema Finanzierung ist natürlich die Frage danach, wer das Geld für eine mögliche Realisierung der Bade-Szenarien zur Verfügung stellen soll.

Als Nutznießer profitieren natürlich besonders die Bürger von der Bademöglichkeit der Ruhr, weshalb diese das Vorhaben in der ein oder anderen Weise durch einen kleinen Beitrag mit stemmen könnten. Die Bereitschaft für etwas Schönes und Nutzenbringendes auch selber zahlen zu wollen, wurde von engagierten Teilnehmern des Workshops durchaus in Betracht gezogen. Denkbar wäre hier Eintrittsgeldern für bestimmte Stellen am Baldeneysee und der Ruhr, Badescheine analog zum Anglerschein oder auch eine Kurtaxe oder Einnahmen durch Steuern. Mit diesen verschiedenen bürgergetragenen Finanzierungsinstrumenten könnte eine mögliche Infrastruktur an angedachten Badestellen errichtet und aufrechterhalten werden. Welche Form genau hierfür geeignet und von den Bürgern gewünscht ist, gilt es im Laufe des Projekts herauszufinden.

Zusätzlich zu den Bürgern könnten diejenigen Personen oder Institutionen zur Kasse gebeten werden, die für die schlechte Wasserqualität verantwortlich sind. Ebenso stellt die Kostenübernahme durch weitere Institutionen, die von der Ruhr als Badegewässer profitieren, eine Finanzierungsmöglichkeit dar. Solche Institutionen wären beispielsweise Restaurants, Wassersportclubs oder Hotels, die an der Ruhr ansässig sind.

Kommunikation
„Kann ich heute baden? Ja oder Nein?“ – dies ist die zentrale Fragestellung, die künftig für Badewillige von großem Interesse sein könnte. Auch wer tiefergehende Informationen rund um Schadstoffkonzentrationen und genauere Wasserwerte sucht sollte in der Lage sein, diese zum Beispiel auf einer Website oder mittels mobiler App abrufen zu können. Daher sollte ein Kommunikationssystem entwickelt werden, welches den Abruf eben dieser Information ohne großen Aufwand ermöglicht.

Sollte tatsächlich ein Badeverbot für einen bestimmten Tag ausgesprochen werden, müsste dieses mit Begründung angegeben werden, sodass es nicht willkürlich wirkt und für alle Bürger nachvollziehbar ist. Nur so kann der Bürger lernen, in welchen Situationen Baden in der Ruhr nach wie vor nicht möglich wäre.

Die Antwort auf die zentrale Frage und alle relevanten Informationen sollten dabei mit Bedacht auf älteres Publikum nicht nur per Internet vermittelt werden, sondern auch über andere Medien wie die Zeitung oder das Radio für die Nutzer zur Verfügung stehen. Unmittelbar am Badeort könnte darüber hinaus ein Ampelsystem in Kombination mit einer Informationstafel über die Badewasserqualität Auskunft geben. Doch wie soll ein solches Ampel- bzw. Frühwarnsystem aussehen? Von Ampeln über Fahnen bis hin zu fünfstufigen Skalen ist vieles denkbar. Als weitere Anforderung ergibt sich schließlich die Entwicklung eines einfach zu lesenden Kommunikations- und Frühwarnsystems zur Badewasserqualität.

 

Szenario Flussbäder an der Ruhr

Foto: Christian Geisert

Im dritten Szenario des zweiten Workshop-Tages ließen die Bürger und Experten ihren Gedanken freien Lauf und überlegten gemeinsam, wie die Vision eines “Flussbads an der Ruhr” aussehen könnte. Hierbei handelt es sich um ein Szenario, das an der Flussbadetradition der Ruhr und den Seen angelehnt ist.

Der Baldeneysee beispielsweise bietet sich perfekt als Badesee an: Er ist verkehrstechnisch gut angeschlossen, es gibt Parkplätze, Toilettenanlagen und für das leibliche Wohl vor Ort ist auch gesorgt. Allerdings müssen sich hier die Badewilligen den See und das Ufer mit Wassersportlern, der Weißen Flotte, Campingplätzen und Cafés teilen. Das Ufer ist sehr begehrt und daher gibt es derzeit kaum Platz für einen ausladenden Badestrand. Denkbar ist jedoch einen kleinen begrenzten Badebereich am Seaside Beach einzurichten, in dem man sich an heißen Tagen erfrischen kann. Dies wäre jedoch nicht ein klassisches Flussschwimmbad, nur eine Erweiterung des Freizeitangebotes des Seaside Beach. Der Grundgedanke des Seaside Beach als Freizeitoase ständ weiterhin im Vordergrund. Als Alternative für Schwimmlustige kommen weitere mögliche Stellen in Betracht, wo sich ein Flussbad einrichten ließe, so zum Beispiel in Essen Steele und im Werdener Löwental. In Steele betreibt derzeit der Steeler Schwimmverein ein Bad am Ufer der Ruhr, sodass dieser eventuell auch als Betreiber des Bads in Frage käme. Beide Orte sind weitgehend verkehrstechnisch erschlossen, sodass keine ganz neue Infrastruktur geschaffen werden muss. Ein einziges Flussbad an der Ruhr stellt keine Option dar, da diese dann an heißen Tagen überrannt würde. Drei verschiedene Flussbäder mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten hingegen würden die Masse des Publikums auffangen und für jedes Interesse eine Anlaufstelle bieten. Ein zahlungsbereites Publikum, dem ein Event- und Lifestylecharakter wichtig ist, könnte sich am Seaside Beach im Baldeneysee erfrischen. Im Löwental bietet sich darüber hinaus ein einfach ausgestattetes Flussbad, das mit einem niedrigen Eintrittspreisniveaus beispielsweise für Jugendliche interessant wäre. Familien hingegen könnten im Steeler Bad das naturnahe Baden genießen.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Szenarien, dem freien Baden und den ausgewiesenen Badestellen an der Ruhr, wird ein Flussbad durch eine Badeaufsicht ständig überwacht. Die Sicherheit der Schwimmer ist somit auf jeden Fall gewährleistet.

Die bestehende Infrastruktur wird in diesem Szenario weitestgehend genutzt, jedoch bedarf es eines Ausbaus in Sachen Verkehr. Der weitere Ausbau von Parkmöglichkeiten und Parkleitsystemen oder der Einsatz von Shuttlebussen kommen hier als Investitionen auf die Stadt und die Badbetreiber zu.

Kommunikativ müssen die Flussbäder vernetzt werden, da diese nicht getrennt voneinander zu betrachten sind. Es handelt sich um Bäder am gleichen Fluss, also drei Bäder mit demselben Wasser, der selben Wasserqualität und den gleichen Gegebenheiten. Der Verbund der Bäder ist demnach unumgänglich.

Darüber hinaus müssen die Bürger sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Die Besucher müssen die Ruhr als Ökosystem und Naturgewässer wahrnehmen, um verantwortungsvoll mit ihr umgehen zu können. Die Entwicklung eines entsprechenden Bewusstseins und einer Badekultur ist daher wesentlich. Schilder, die über Flora und Fauna des heimischen Gewässers informieren können eine Möglichkeit der Bürgerkommunikation darstellen.

Welches Szenario sich eines Tages wohlmöglich durchsetzen wird und eine tatsächliche Bademöglichkeit darstellt, lässt sich gegenwärtig nicht sagen. Dennoch zeigen die drei Szenarien, das verschiedene Möglichkeiten denkbar sind, wie Baden an der Ruhr in Zukunft möglich wäre.

Szenario Ausgewiesene Badestellen an der Ruhr

Foto: Sven Becker

Das zweite Szenario, das im Rahmen des Workshops zum Thema “Baden in der Ruhr” im April von den Teilnehmern entwickelt wurde trägt den Titel “Ausgewiesene Badestellen”. Dieses Szenario beschreibt die Zwischenlösung, zwischen den beiden Szenarien “Freies Baden” und “Flussbäder”.

Eine Badestelle meint hierbei eine offiziell freigegebene Badestelle, die sich an problemlos zugänglichen Orten befindet. Hierbei eignet sich die Ruhr grundsätzlich besser für das Szenario als der Baldeneysee, da hier bereits viele Einschränkungen durch die derzeitige Nutzung von Wassersportlern, Anglern und der Weißen Flotte gegeben sind. Eine Badestelle am See könnte jedoch am Seaside Beach Baldeney eingerichtet werden. So kämen auch Seeliebhaber auf ihre Kosten. Weitere mögliche Badestellen könnten sein: Haus Scheppen, Mülheimer Ruhrstrand, Zeche Carl Funke, Rote Mühle, Strandbad Spillenburg Essen-Steele, Haus am See und Löwental. Weitere Einschränkungen gehen von der Nähe von Schifffahrtswegen und Anlegestellen der Weißen Flotte und Natur- und Vogelschutzgebieten aus.

Wie diese ausgewiesenen Badestellen sich optisch gestalten würde, ob mit Sand oder ohne, muss bei Umsetzung dieses Szenarios weitergehend diskutiert werden. Klar ist jedoch, dass die Badestellen deutlich gekennzeichnet werden müssen. Hierdurch kann auch vermieden werden, dass zu viel an nicht-freigegebenen Stellen gebadet würde. An diesen Badestellen sollte eine Infotafel über aktuelle Wasserwerte informieren. Zudem könnten solarbetriebene Notrufsäulen  in Verbindung mit einer gut sichtbaren Kilometrierung des Flusses zur Durchgabe des Standortes an jeder Badestelle installiert werden. Diese Säule soll den Nutzer mit dem bestehenden Sicherheitssystem der DLRG, Feuerwehr, etc. verbinden.

Um die Kosten möglichst gering zu halten sind weitere infrastrukturelle Maßnahmen in einem kleinen Rahmen zur Umsetzung des Szenarios nötig: eine gute verkehrstechnische Anbindung, Sanitäranlagen, regelmäßige Wartung der Badestellen, Müllentsorgung sowie ein befestigter Zugang zum Wasser, beispielsweise in Form eines Steges.

Auf eine konstante Badeaufsicht wurde bei der Entwicklung dieses Szenarios auch verzichtet, dagegen können Bojen den Schwimmbereich ausweisen und somit gewährleisten, dass sich kein Schwimmer in die Fahrrinne verirrt.

Die Informationen rund um die Wasserqualität sollen neben den Infotafeln über gängige Medien verbreitet werden. Darüber hinaus kann ein Ampelsystem vor Ort zudem eine Badeempfehlung geben oder aber vom Baden abraten.

Die Finanzierung des Szenarios muss anteilig von den beteiligten Institutionen, beispielsweise der Stadt, den Kommunen, dem Ruhrverband, etc. aufgeteilt werden. Eine andere Möglichkeit ist es, die Nutznießer des Projekts, z.B. die Gastronomie, die Campingplätze, etc. an den entstehenden Kosten zu beteiligen. Darüber hinaus können externe Sponsoren angeworben werden.

Szenario Naturnahes Baden an der Ruhr

Foto: Julie Falk

Die Möglichkeiten des Badens in der Ruhr sind heute noch eine Zukunftsmelodie. Drei Szenarien, wie das Baden künftig möglich sein könnte wurden im Rahmen des Projekts Sichere Ruhr im Workshop „Baden im Baldeneysee“ im April 2013 entwickelt. Hierbei wurden folgende Punkte in die Entwicklung mit einbezogen: Die hygienische Qualität, der rechtliche Status mit seinen Konsequenzen, die Kosten und Finanzierung, der gesellschaftliche Nutzen, die Kommunikation, die Infrastruktur, das Thema Sicherheit und der Aspekt der Müllentsorgung.

Das Szenario „Freies Baden in der Ruhr“ verzichtet auf offizielle Badestellen oder gar Flussbäder mit Parkplätzen und Imbissbuden. Freies Baden meint das Baden auf eigene Gefahr überall dort, wo die Ruhr zugänglich ist. Ausnahmen: Naturschutzgebiete und Privatgrund. Zudem meint das Baden auf eigene Gefahr dabei nicht das Unwissen über mögliche Gefahren, sondern ein Baden auf eigene Verantwortung. Schilder müssen daher über mögliche Gefahren informieren, Naturschutzgebiete und Privatgrund ausweisen.

Entscheidet sich ein Badewilliger trotz möglicher Gefahren ins Wasser zu springen, kann er sich nicht auf eine konstante Badeaufsicht oder –rettung verlassen. In diesem Szenario ist das Baden auf eigene Gefahr tatsächlich ein Baden mit Restrisiko, das von jedem Badenden selbst getragen wird. Natürlich steht dabei das normale Notfallangebot der Feuerwehr auf Anruf bereit.

Informationen zum Thema Hygiene, wie aktuelle Wasserwerte und Prognosen über die Wasserqualität, stehen darüber hinaus jedem Badelustigen per Internet zur Verfügung. Hierbei können auch Empfehlungen zum Nicht-Baden nach Regenfällen ausgesprochen werden. Ob einer solchen Empfehlung dann Folge geleistet wird, entscheidet wiederum jeder Badende für sich.

Müllproblematiken würden mit einer minimalen Infrastruktur in Form von Müllbehältern entlang der Ruhr vorgesorgt. Für die Leerung dieser ist dann die anliegende Gemeinde zuständig.

Der positive Nutzen des Badeszenarios besteht hierbei vor allem in der Zunahme der Lebensqualität; die Nachteile bestehen in möglichen Interessenskonflikten mit derzeitigen Nutzern der Ruhr und des Baldeneysees. Vorzustellen ist dabei auch die Ruhr generell zum Baden freizugeben, den Baldeneysee dagegen mit Badestellen zu bestücken um diesen möglichen Nutzungskonflikten vorzubeugen. Die Gleichberechtigung soll hierbei jedoch auch nicht zu kurz kommen.

Ein weiterer Nutzen entsteht vor allem für das Image der Region und damit für das Image aller anliegenden Kommunen. Als Nutznießer des Szenarios könnten die Anrainerkommunen im Sinne des Umweltschutzes diese geringe Infrastruktur in Form von Müllbehältern, Beschilderung und Internetinformationen tragen.

Zukunft Seefracht – CO2-Bilanz oder Gewässerschutz

Foto: Rania Ladwig

Bananen aus Brasilien, Tomaten aus Tunesien und Kaffee aus Kolumbien – längst haben wir uns an den Luxus ständiger Verfügbarkeit unserer Lieblingsleckereien gewöhnt. Doch wie finden die wohlschmeckenden Waren eigentlich ihren Weg ins Regal der heimischen Supermärkte? Um den ständigen Konsum der westlichen Länder zu decken, legen die Güter des täglichen Gebrauchs oftmals eine weite Strecke zurück, bis sie endlich auf dem Ladentisch landen. Sie reisen quer durch die Welt, durch die Luft, über Straßen, auf Gleisen oder durchs Wasser.

Der Weg per Schiff hat sich dabei als wichtiger Transportweg rund um den Globus etabliert, denn die hohen Ladekapazitäten der Cargo-Schiffe lassen die Preise für die Verschiffung von Gütern jeglicher Art ins Groteske sinken. So kostet der Transport einer Flasche Wein auf dem Seeweg quer über den Ozean weniger als die Lieferung eben dieser Flasche per LKW von Deutschlands Süden in den Norden. Durch diese Entwicklung steigt das Geschäft mit dem Warenhandel per Seeweg stetig. Allein der Hamburger Hafen verzeichnet einen jährlichen Umschlag von rund 131 Millionen Tonnen Seegut. Die Metropole Ruhr kann hier fast mithalten: Am Duisburger Binnenhafen liegt der Umschlag bei knappen 126 Millionen Tonnen – Tendenz steigend.

Für die CO2-Bilanz ist das eine erfreuliche Entwicklung. Der Ausstoß per Luftfracht führt die Charts der CO2-Emission beim Warentransport mit 1.000 Gramm pro Kilogramm Ware auf 1.000 Kilometer Strecke unangefochten an. An zweiter Stelle steht der LKW mit etwa 200 Gramm pro Kilogramm auf 1.000 Kilometer Strecke. Die Bahn schlägt dagegen mit nur 80 Gramm pro 1.000 Kilometer Strecke zu Buche. Unterboten wird die Bahn in der CO2-Bilanz nur vom Transport auf dem Wasserweg. Und zwar mit 35 Gramm auf 1.000 Streckenkilometer. Können wir uns also getrost zurücklehnen und uns gegenseitig zum gelungenen Klimaschutz gratulieren?

In Bezug auf den Klimawandel ist diese Entwicklung sehr erfreulich. Doch sie geht zu Lasten der natürlichen Gewässer – insbesondere die Flüsse haben darunter zu leiden: Ausbaggerungen der Flussbetten, künstliche Uferbefestigungen und –verlagerungen sowie Umleitung der natürlichen Flussverläufe sind für die Schifffahrt nötige Eingriffe des Menschen in die natürlichen Gewässer. Diese Maßnahmen beeinflussen das natürliche Gleichgewicht des Ökosystems und haben einen negativen Einfluss auf die Flora und Fauna. Hinzu kommt die Belastung des Wassers durch die Spurenstoff-Ausstöße von den Dieselmotoren der Frachter.

Die Frage bleibt schließlich:
Liegt die Priorität in der Renaturierung der Flüsse und im Schutz der Wasserqualität? Oder ist der Transport per Schifffahrt und die Verringerung der CO2-Emissionen zugunsten des Klimawandels das erstrebenswertere Ziel?

Oder sollten wir gar bereit sein, zugunsten der Umwelt auf ein Stückchen Luxus aus Brasilien, Tunesien oder Kolumbien zu verzichten?

Die Wasserrahmenrichtlinie – Nur eine weitere Vorschrift für Land und Kommunen?

Foto: Rania Lahdo

Der Schutz von Wasser, der lebenswichtigen Ressource, muss ein wichtiger Bestandteil der Umweltpolitik sein. Dies wurde im Jahr 2000 in der EG-Wasserrahmenrichtlinie verankert – mit dem Ziel eine gute Wasserqualität aller europäischen Oberflächengewässer bis zum Jahr 2015 zu erreichen. Doch was meint dieser doch etwas schwammige Begriff „gute Wasserqualität“ denn überhaupt?

Eine „gute Wasserqualität“ meint laut Wasserrahmenrichtlinie einen guten ökologischen und chemischen Zustand aller natürlichen Oberflächengewässer. Dies wird unter anderem an biologischen Komponenten gemessen, die sich durch die Zusammensetzung und Dichte der Gewässerflora und –fauna, also den Wasserpflanzen, Organismen und dem Fischbestand bestimmen lassen. Des Weiteren spielen für die Beurteilung solche Komponenten eine Rolle, die sich durch Abflussverhältnisse, die Durchgängigkeit des Flusses, sowie die Strukturen des Flussbettes und des Ufers bestimmen lassen. Zudem werden chemische und physikalisch-chemische Parameter gemessen, wie die Temperatur, der Salz- und Sauerstoffgehalt und weitere Nährstoffverhältnisse. Sind alle diese Komponenten innerhalb der vorgegebenen Grenzwerte, so spricht man von einer „guten Wasserqualität“ im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie.

Im Jahr 2004 zeigte sich in einer umfangreichen Bestandsaufnahme bereits, dass dieses Ziel ohne weitere Maßnahmen bis 2015 nicht zu erreichen ist – und das nicht nur in Europa, sondern weltweit. Neben den zahlreichen Flussprojekten, die sich  mit der Verbesserung der Qualität der Oberflächengewässer befassen, kann auch jeder Einzelne an der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie mitarbeiten.

Haushaltsabwässer sind – neben Industrieabwässern und Einleitungen aus der Landwirtschaft – eine Eintragsquelle der Verunreinigungen der Flüsse. Durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen kann jeder dafür sorgen, dass das Grundwasser und damit die Umwelt generell weniger belastet werden. Spurenstoffe aus Haushaltsabwässern, die zu Mikroverunreinigungen der Flüsse führen, können so deutlich vermindert werden. Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger bei der Gartenpflege beispielsweise sorgt bereits in erheblichem Maße für einen besseren Umweltschutz. Darüber hinaus sollten Lösungsmittel, Chemikalien und Lackreste auf gar keinen Fall über das Abwasser entsorgt werden. Auch Problemstoffe wie Medikamente oder Batterien müssen fachgerecht entsorgt werden. Weitere Möglichkeiten liegen in dem Gebrauch von Produkten mit dem blauen Engel. Dieses Umweltzeichen weist umweltfreundliche Produkte aus. Ein sparsamer Gebrauch von Wasch- und Reinigungsmitteln, sowie die Benutzung von Recycling-Toilettenpapier bietet darüber hinaus eine Handlungsmöglichkeit. Geringer Aufwand, kleine Kosten, großes Ergebnis – denn der Gewässerschutz geht uns alle an. Oder nicht?